Kärnten ist nicht mehr anders

26. August 2003, 18:51
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Klagenfurt - Der Slogan "Kärnten ist anders", der in den vergangenen Jahren immer auch auf die politische Situation gemünzt worden war, stimmt seit Sonntag nicht mehr. Die FPÖ verlor nämlich nicht nur bundesweit enorm, sondern auch in der Wahlheimat Jörg Haiders: Sie büßte 14,9 Prozentpunkte ein und rutsche mit 24,1 Prozent vom ersten auf den dritten Rang zurück. Die SPÖ kam mit 39 Prozent (plus 2,8) wieder auf Platz eins, die zuletzt nur noch belächelte ÖVP mit einem Zugewinn von 14 Prozentpunkten auf 30,1 Prozent und Rang zwei.

Damit wird der laut politischen Beobachtern seit 1989 - die SPÖ verlor die absolute Mehrheit und Haider wurde zum ersten Mal Landeshauptmann - nahezu permanente Wahlkampf wohl neue Intensität erhalten. Kaum jemand geht nämlich davon aus, dass Haider in absehbarer Zeit das Handtuch werfen könnte. Vielmehr werde er alles daran setzen, um schon bei den Gemeinderatswahlen im kommenden Frühjahr und vor allem bei der Landtagswahl im Frühjahr 2004 die jetzigen starken Verluste wett zu machen.

Dramatisch

Man war im südlichsten Bundesland zwar davon ausgegangen, dass die SPÖ auf Grund der Turbulenzen innerhalb der FPÖ wieder zur stärksten Partei werden könnte, mit derart dramatischen Einbrüchen bei den Freiheitlichen hatte man jedoch kaum gerechnet. So sackten die Freiheitlichen nicht nur landesweit von 39 auf 24,1 Prozent ab, sie fielen auch in allen Bezirksstädten auf den dritten Platz zurück, während sie noch vor drei Jahren in sieben, darunter in Klagenfurt und Villach, stärkste Kraft geworden waren.

Bemerkenswert ist auch, dass die FPÖ diesmal in keinem der vier Wahlkreise ein Grundmandat erringen konnte und sich mit Reststimmenmandaten begnügen musste. Die FPÖ verlor zwei ihrer bisher fünf Nationalratssitze, während die SPÖ zu ihren vier eines und die ÖVP zu ihren bisher zwei ebenfalls eines hinzu gewinnen konnte. Da half es auch nichts, dass Minister Herbert Haupt sowohl Bundes- als auch Landesspitzenkandidat mit entsprechender medialer Präsenz war.

Großer Gewinner neben der ÖVP war zweifellos die SPÖ unter Landesparteichef LHStv. Peter Ambrozy und mit Spitzenkandidatin Melitta Trunk. Die Sozialdemokraten errangen nicht nur landesweit wieder Platz eins, sie wurden auch in neun der zehn Kärntner Bezirke zur stärksten Kraft. Die ÖVP mit ihrem Landesobmann Landesrat Georg Wurmitzer und Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher hat es in Kärnten von einer Klein- wieder zur Mittelpartei geschafft.

Wie üblich keine Chancen hatten im südlichsten Bundesland die Kleinparteien. Die Grünen erzielten einen marginalen Zugewinn von 0,4 Prozentpunkten und kamen auf 5,5 Prozent, die Liberalen stürzten von 2,3 auf 0,8 Prozent ab, die Kommunisten legten um 0,2 Prozentpunkte auf nunmehr 0,5 Prozent zu.

Spannend wird es in Kärnten mit Sicherheit bleiben. Dabei stellt sich wohl jeder die Frage: Was wird Haider machen? Wechselt er jetzt in die Bundespolitik oder bleibt er wie versprochen bis zum Ende der Legislaturperiode 2004 Landeshauptmann? Am Wahlabend war er jedenfalls für eine Stellungnahme noch nicht erreichbar. (APA)

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