Aserbaidschan belebt den Tourismus

9. Dezember 2002, 11:14
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Nur wenige Flugstunden von Mitteleuropa entfernt liegt am östlichen Ende des Kaukasus ein weitgehend unerschlossenes Urlaubs-Paradies

Baku - Das Land am Kaspischen Meer kann seine Schätze selbst noch nicht richtig einordnen. An die mit Muscheln übersäten Sandstrände verschlägt es nur wenige westliche Touristen; ebenso sind die Nationalparks im Kaukasus noch weitgehend unentdeckt. Bestenfalls die Hauptstadt Baku zieht vereinzelte Urlaubergruppen an, denn dort ist schon etwas touristische Infrastruktur vorhanden.

"Wir haben im Tourismus große Perspektiven", sagt Abulfas Garajew, Minister für Fremdenverkehr. Aber das erst seit knapp elf Jahren unabhängige Land müsse in diesem Sektor noch viel tun. Denn die Mehrzahl der rund 700.000 Ausländer, die Aserbaidschan im Vorjahr besucht hatten, waren Geschäftsleute, die sich auf die eine oder andere Art am Erdöl-Boom im Kaspischen Meer beteiligen wollten. "Mit der gegenwärtigen Infrastruktur könnten wir bis zu einer Million Touristen im Jahr verkraften, aber mehr auch nicht", gibt sich der Minister optimistisch, aber bescheiden.

Wie sehr das Land den Sektor Fremdenverkehr bisher vernachlässigt hat, beweist allein die Tatsache, dass es ein entsprechendes Ministerium erst seit eineinhalb Jahren gibt. Die lange Liste mit den noch offenen Ausschreibungen für Fremdenverkehrsobjekte - in erster Linie Hotels - ist ein weiteres Indiz. Garajew will das meiste "dem privaten Sektor überlassen", doch dieser kümmert sich vorerst um das eigene Überleben in dem verarmten Land, während die Geschäftsleute viel lieber im Erdöl-Sektor Geld scheffeln möchten.

Doch schon jetzt hat ein Urlaub in Aserbaidschan seinen Reiz. Angefangen in Baku, der "Stadt der Winde", wo eine Besichtigung der Altstadt Itscheri Scheher mit ihrem orientalischen Flair zum Pflichtprogramm gehört. Unweit des Palastes der Schirvan-Schahs ragt der Jungfrauen-Turm, dessen Zweck bis heute unklar ist, über das Stadtbild. Und am Fuß des Turms wartet neben Teppich-Geschäften eine Karawanserei aus dem 15. Jahrhundert auf Gäste, die aus verborgenen Lautsprechern mit dem Superhit der Eagles "Welcome to the Hotel California" begrüßt werden.

Am südlichen Stadtrand liegen die Sandstrände, die - gegen Gebühr - meist nur von Einheimischen und ausländischen Firmenvertretern genutzt werden. Unter Palmen liegend können die Urlauber die mächtigen Fördertürme im Meer betrachten, die unermüdlich das Schwarze Gold unter dem Meeresboden hervorholen. Nördlich von Baku, rund um die Halbinsel Abscheron, sind die gebührenfreien Strände, die angesichts der starken Umweltverschmutzung durch die alten Bohrfelder aus Sowjetzeiten und noch früherer Perioden nur wenig verlockend wirken. "150 Jahre Ölindustrie haben leider ihre Spuren hinterlassen, es ist ein 150 Jahre altes Desaster", sagt Umweltminister Gussein Bagirow bedauernd.

Doch Aserbaidschan kann auch auf fast Unberührtes vorweisen. Nur knapp 60 Kilometer südlich von Baku liegt die Ortschaft Gobustan, in deren Nähe in Höhlen und zerstreuten Felsen fast 4.000 Zeichnungen aus der Steinzeit sowie ein Bilderbuch aus der Vergangenheit auf Besucher warten. Auf einem Areal von fast 100 Quadratkilometern haben die Zeichnungen auf den frei liegenden Felsblöcken die Zeit unbeschadet überstanden. Und der eingemeißelte Name des römischen Legionärs Julius Maximus aus dem 1. Jahrhundert nach Christus zeigt, dass der "Tourismus" in der Region schon länger zurückdatiert als gedacht. (APA/dpa/red)

  • Baku, mit Blick auf den Shirvanshahs Palast

    Baku, mit Blick auf den Shirvanshahs Palast

  • Unvergängliche Zeichnungen auf den Felsen bei Gobustan

    Unvergängliche Zeichnungen auf den Felsen bei Gobustan

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