Gewalt gegen Frauen ist systemimmanent!

2. Dezember 2002, 11:13
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Erst seit den 70er-Jahren wurde das Thema aufgegriffen und entsprechende Maßnahmen getroffen - ein Überblick

Der Neuen Frauenbewegung in den 70er-Jahren und vor allem der langjährigen Frauenministerin Johanna Dohnal ist es zu verdanken, dass Gewalt gegen Frauen (besonders in der Familie) nicht nur aufgedeckt, sondern wesentliche Schritte zu mehr Schutz und Verbesserung der Situation für betroffene Frauen unternommen worden sind. Derzeit bestehen in Österreich neben einer Reihe von Frauennotrufen und Selbsthilfegruppen 26 Frauenhäuser, wovon 20 autonome und sechs kirchlich-karitative Einrichtungen sind.

1976

In Brüssel findet das erste internationale Tribunal über "Gewalt gegen Frauen" statt, organisiert von der autonomen Frauenbewegung mit der Beteiligung von Erica Fischer von der AUF. Im folgenden AUF-Heft widmet sich dann ein Schwerpunkt diesem leidigen Thema.

1977

Das Buch von Erica Fischer, Brigitte Lehmann und Kathleen Stoffl "Gewalt gegen Frauen" erscheint. Es soll darauf hingewiesen werden, dass auch und gerade die Familie "Brutstätte der Gewalt" ist. Im "profil" publiziert daraufhin Erika Wantoch einen Artikel mit dem Titel "Gewalt in der Ehe". Im selben Jahr erarbeiten Studentinnen der Wiener Sozialakademie, unter ihnen Rosa Logar und Elfriede Fröschl, ein Konzept für ein Frauenhaus. Sie treten mit Johanna Dohnal in Kontakt, die sich des Themas annimmt. Bei den GenossInnen muss sie harte Überzeugungsarbeit über die Notwendigkeit dieses Schutzhauses leisten. Dann stellt sie einen Antrag beim zuständigen Stadtrat Alois Stacher.

1978

Am 1. November 1978 nimmt das erste Frauenhaus in Wien seinen Betrieb auf (finanziert von der Stadt Wien wie auch die nächsten Frauenhäuser). Zu verdanken ist es alleine der Initiative von Frauenbewegung und Dohnal. Ebenfalls 1978 und zwar am Internationalen Frauentag veranstaltet die Frauenbewegung Plakataktionen gegen Sexshops und Pornokinos sowie Straßenaktionen zur "Gewalt gegen Frauen".

1983

Obwohl die Einrichtung und Unterhaltung von Frauenhäusern und Notrufen Landessache ist, nimmt sich das Staatssekretariat der Organisation des Erfahrungsaustausches und der Weiterbildung von Mitarbeiterinnen in den österreichischen Frauenhäusern an. Ein Fortschritt in der Rechtslage, der auf den Vorstoß Dohnals zurückgeht: Seit 1983 müssen Opfer von Sexualdelikten von Frauen einvernommen werden, Kriminalbeamtinnen sind dazu extra ausgebildet worden.

1988

Ab 1988 werden auch Polizisten zum Thema "Gewalt gegen Frauen, Gewalt in der Familie" geschult.

1989

Im Strafrecht wird der Tatbestand der Vergewaltigung neu geregelt. Von nun an darf es nicht mehr zu einer "zweiten Vergewaltigung im Gerichtssaal" kommen. Das heißt, es dürfen keine Fragen über das Vorleben des Opfers gestellt werden, die vergewaltigte Frau kann während des Verfahrens eine Person ihres Vertrauens beiziehen und sie hat das Recht, den Ausschluss der Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung zu verlangen. Es darf auch nicht fotografiert werden. Außerdem wird der Begriff "Notzucht" durch den der "Vergewaltigung" ersetzt. D.h. das Strafausmaß hängt vom Tatbestand, vom Verhalten des Täters, nicht des Opfers ab. Davor musste sich die Frau bis zur "Widerstandsunfähigkeit" wehren, was oft tödlich ausging. Außerdem wurde Vergewaltigung auch in der Ehe unter Strafe gestellt. In der Kindererziehung ist physische und psychische Gewalt seither verboten.

1990

Mit einstweiliger Verfügung kann einem gewalttätigem Ehemann der Zutritt zur Wohnung verwehrt werden.

1992

Ende 1992/Anfang 1993 führt das Frauenministerium eine internationale Kampagne durch: "Gewalt gegen Frauen gegen Gewalt" umfasst mehrere Tagungen und beginnt mit dem Symposium "Test the West" in Wien (weitere in Linz, Innsbruck, Klagenfurt, Wr. Neustadt). Das gesamte Spektrum der Gewalt gegen Frauen – Ehe, Arbeitsplatz, Krieg etc... wird analysiert.

1994

Seit 1994 gilt die "schonende Vernehmung" - Gewaltopfer müssen Aussage nicht mehr in Anwesenheit des Misshandlers machen.

1996

1996 tritt das Bundesgesetz zum Schutz gegen Gewalt in der Familie in Kraft. Dem neuen Gesetz zufolge muss der Täter und nicht das Opfer im Gewaltfall die Wohnung verlassen. Das Gesetz ist ein Meilenstein zum Schutz gegen häusliche Gewalt. Fünf Interventionsstellen gegen Gewalt, die im Notfall von der Exekutive und den Gerichten verpflichtend eingeschaltet werden, sind derzeit in der Projektphase. Ebenfalls 1996 wird die erste Schutzeinrichtung für Opfer des Frauenhandels gegründet.

1997

1997 tritt das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Bereits 1993 gab es im Palais Auersperg eine Enquete "Frauen und Recht" und 1994 Arbeitskreise zu "Maßnahmen gegen Gewalt in der Familie", dabei bereitete eine Gruppe das Gewaltschutzgesetz vor. Wesentliche Punkte sind: Opfer vor Gewalt zu schützen, Opfer soll in Wohnung bleiben dürfen, Täter soll aus Wohnung gewiesen werden. Parallel dazu werden gesetzlich verankerte Interventionsstellen gegen familiäre Gewalt in allen Bundesländern errichtet. Diese informieren die Polizei, welche von sich aus Kontakt mit den Opfern aufnehmen soll. (dabu)

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    Hilfe für die weiblichen Opfer von männlicher Gewalt: Frauenhäuser, Gruppen und Gesetze sollen helfen, das Leid einzudämmen.
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