Randale im Rabenhof

Redaktion, 21. November 2002 22:50

"Frau des Kanzlers"- Uraufführung gestört - Wolfgang Petritsch von Zuschauern verbal attackiert - Menasse spricht von "Jungen ÖVP-Chaoten"

Wien - Die Uraufführung einer Bühnenfassung von Gustav Ernsts neuem Buch "Die Frau des Kanzlers" wurde am Mittwoch Abend von einer Gruppe Jugendlicher gestört, sodass die Vorstellung unterbrochen werden musste und erst wieder aufgenommen werden konnte, als die zehn bis 15 Randalierer den Saal verlassen hatten und anschließend vor dem Theater durch Lärmerregung den Unmut von Anrainern erregten.

"Das war nicht ohne. Ich habe das nicht für möglich gehalten", meinte der Schriftsteller Robert Menasse, der Zeuge der Vorkommnisse wurde.

"Offensichtlich organisierter Störtrupp"

Laut "Rabenhof"-Mitarbeiter Thomas Gratzer erregten zunächst die Worte "Scheiß Regierung" den Zorn eines kleinen Teils des Publikums. Im Anschluss wurde der im Publikum anwesende SP-Kandidat Wolfgang Petritsch verbal attackiert. Die Situation eskalierte derart, dass die Schauspieler Dolores Schmidinger und Alfons Haider die Vorstellung erst wieder fortsetzen konnten, nachdem die Gruppe den Saal verlassen hatte.

Gratzer spricht von einem "offensichtlich organisierten Störtrupp". - Robert Menasse meint, er habe "schon lange nicht mehr ein so flaues Gefühl in der Magengrube gehabt." Und ergänzt: "Ich habe Angst vor dieser Gewaltbereitschaft der Jungen ÖVP-Chaoten."

Für den Wahl-Sonntag, wo um 16.30 Uhr ein "politisches Kakerlaken-Rennen" stattfindet, wurde vom Rabenhof Polizeischutz angefordert.

Regierungskritik und Literatur

Der Wiener Autor Gustav Ernst versucht in dem Buch Regierungskritik und Literatur zu vereinen. Er lässt die "Frau des Kanzlers" einen langen Monolog an ihren Gatten halten, wobei die Anspielungen auf den gegenwärtigen österreichischen Bundeskanzler offensichtlich sind.

In dem Buch wirft der Chef einer Koalition mit einer rechtsradikalen Partei für den Machterhalt alle seine einstigen Grundsätze über Bord. Zu Hause bekommt er ernsthafte Schwierigkeiten: Seine Frau ist es leid, bei jedem Einkauf gegenüber wildfremden Menschen wider Willen die Politik ihres Mannes zu verteidigen. Sie will sich scheiden lassen. (APA)

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