Die 20 wichtigsten Fragen in der Praxis

1. Juli 2004, 11:19
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Was alle Dienstnehmer zum neuen Gesetz wissen sollten, wo Entscheidungsfreiheit besteht, woran nicht zu rütteln ist und wo Steuervorteile liegen

In der Folge sollen die Details der Abfertigungsregelung nach dem Prinzip der Betroffenheit der Arbeitnehmer ihre wichtigsten Antworten finden.

  • Für wen gilt die neue Abfertigungsregel?

    Für alle Dienstverhältnisse, die ab dem 1. 1. 2003 abgeschlossen werden.

  • Können "alte" Dienstverträge im alten System bleiben?

    Gezwungen werden kann niemand zum Übertritt, bestehende Verträge können auch bis zur Pension im alten System bleiben. Vollübertritt und teilweiser Wechsel mit "Einfrieren" der alten Ansprüche sind aber möglich.

  • Wie hoch sind die Beiträge, wer zahlt sie?

    Arbeitgeber müssen 1,53 Prozent der Bruttolohnsumme an eine Mitarbeitervorsorgekasse zahlen. Ist zum Jahreswechsel noch kein entsprechender Vertrag geschlossen, dann werden die Beiträge bei der Krankenkasse zwischengeparkt. Die Kosten für die Veranlagung der Beträge wird von den Einzahlungen abgezogen. Neun Mitarbeitervorsorgekassen sind konzessioniert und werben um Verträge mit den heimischen Unternehmen.

  • Wie hoch ist die Zusatzpension bei der neuen Abfertigung?

    Je nach Arbeitsverlauf und Bruttolohnsumme geschätzte 300 bis 600 Euro monatlich. In jedem Fall allerdings geringer als noch im alten Staffelsystem der Abfertigungssprünge.

  • Wie hoch ist die neue Abfertigung besteuert?

    Zu jedem Zeitpunkt der Auszahlung verlangt der Fiskus sechs Prozent. Allerdings ist die Variante, nach der der angefüllte Rucksack im Pensionsfall oder nach fünf Jahren ohne aufrechtes Dienstverhältnis als monatliche Rente entleert wird, steuerfrei gestellt.

  • Können sich Arbeitnehmer die Kasse aussuchen?

    Das Gesetz sieht eine Betriebsvereinbarung vor, wonach die Mitarbeitervorsorgekasse im Konsens mit dem Arbeitgeber ausgewählt werden muss.

  • Wie kommen Arbeitnehmer ins neue System?

    Entweder automatisch durch ein Dienstverhältnis ab 1. 1. 2003 oder durch freiwilligen und einvernehmlichen Umstieg (siehe Artikel zu den drei Möglichkeiten für bestehende Dienstverhältnisse).

  • Für wen zahlt sich ein möglichst schneller Umstieg ins neue System aus?

    Profitieren können jene, die noch am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen und ihre Zukunft sehr mobil sehen, wo häufigere Selbstkündigung daher auf dem Plan steht. Denn sie verlieren ihre Ansprüche nun nicht mehr. Mehr Probleme haben jene mit langen Ausbildungszeiten (Studium), und der Plan besonderer Firmentreue wird in Zukunft ebenfalls nicht mehr belohnt, da es kein Staffelsystem nach Dienstjahren mehr gibt.

  • Bekommen Arbeitnehmer ihre Abfertigung auch bei Selbstkündigung?

    Ja, im neuen System bleiben die Ansprüche erhalten (Rucksack), es kommt aber zu keiner sofortigen Auszahlung.

  • Besteht ein Auszahlungsanspruch auch bei längerem Arbeiten als das Gesetz vorschreibt?

    Der Anspruch besteht (ab derzeit 56,5 Jahren bei Frauen und 61,5 Jahren bei Männern), egal ob der Berechtigte länger arbeitet oder nicht.

  • Gilt bei gesundheitsbedingtem Früherausscheiden die Option der steuerfreien Zusatzpension?

    Ja, innert zwei Monaten nach Zuerkennen des Pensionsantritts kann eine Verrentung der Abfertigungsgelder vereinbart werden, die Steuerbefreiung gilt in diesem Fall.

  • Ist der Abfertigungsanspruch vererbbar?

    Ja, im alten System gab es Versorgungsgrenzen für die Hinterbliebenen, im neuen System fällt der gesamte Anspruch an die Erben.

  • Gilt die neue Abfertigungsregelung auch für Lehrlinge?

    Ja, Anspruch besteht ab dem ersten Monat (ausgenommen Probemonat).

  • Werden während einer Karenz vom Arbeitgeber Beiträge gezahlt?

    Zwar sehr geringe, aber die Zahlungen laufen weiter, womit der spätere Anspruch aufrecht bleibt. Es werden 1,53 Prozent von derGrundlage (Kinderbetreuungsgeld) eingezahlt. Ähnliches gilt für Präsenz- und Zivildiener.

  • Wann kann das Geld entnommen werden?

    Frühestens nach drei vollen Beitragsjahren, allerdings zu sechs Prozent versteuert. Bei einem Wechsel des Arbeitgebers wird automatisch ausbezahlt, nicht bei Selbstkündigung. "Wechselprämien" sollen so verhindert werden.

  • Wann kann man im neuen System mit einem Jahresgehalt Abfertigung rechnen?

    Im alten System war klar: Nach 25 Dienstjahren - Treue wurde so belohnt. Im neuen System ist diese Rechnung schwierig: Unter der Annahme einer Rendite von sechs Prozent pro Beitragsjahr kommt nach etwa 37 Dienstjahren eine Jahresgage heraus, bei einer angenommenen Rendite von vier Prozent erst nach 45 Jahren. Wie sich die Renditen allerdings entwickeln - das hängt von den Kapitalmärkten ab. Abweichungen nach unten und nach oben sind möglich.

  • Wann muss eine Entscheidung zwischen Einmalentnahme und Zusatzpension erfolgen?

    Bei Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters kann frei zwischen Einmalzahlung und Verrentung gewählt werden. Bereits mit vollendetem 40. Lebensjahr kann jeder Arbeitnehmer für die Zusatzpension optieren, um durch Belassen des Kapitals die Rendite (möglicherweise) zu vergrößern.

  • Was passiert mit freiwilligen Abfertigungen?

    Bleibt der Dienstnehmer im alten System, ändert sich daran nichts. Danach ist ein Viertel der laufenden Bezüge der letzten zwölf Monate der freiwilligen Abfertigung mit sechs Prozent zu versteuern. Wechselt der Dienstnehmer zu einem fixierten Zeitpunkt ins neue System, dann gilt Steuerbegünstigung nur für den Zeitraum, in dem noch keine Ansprüche an eine MVK bestehen. Bei einem Komplettwechsel ins neue System gibt es keine Steuerbegünstigung mehr, es gilt der tarifmäßige Lohnsteuersatz für die freiwillige Abfertigung.

  • Welchen Einfluss haben die Kapitalmärkte auf die neue Abfertigung?

    Während der Einzahlungsphase sind die MVK zu einer Kapitalgarantie verpflichtet. Um wieviel sich die Beträge allerdings vermehren, ist schwer zu sagen, hängt von der Marktentwicklung und dem Veranlagungserfolg der Kassen ab. Bei einer Verrentung - also monatlicher Auszahlung der Beträge durch eine Versicherung - ist die Kapitalmarktlage ausschlaggebend, denn Garantien gibt es dann nicht mehr.

  • Wie veranlagen die MVK?

    Schwerpunkt der Strategie müssen - wegen der Kapitalgarantie - zunächst festverzinsliche Wertpapiere sein. Dazu werden ein meist über die Jahre ansteigender Aktienanteil und bestimmte strukturierte Produkte beigemischt. Schwierig ist für die MVK, dass zunächst mit baldigster Entnahme der Anspruchsberechtigten kalkuliert werden muss. Alle Kassen haben sich dazu bekannt, das Thema ethische Veranlagung, also - nachhaltige - Aktientitel, zu bearbeiten. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 21.11.2002)

  • Von Karin Bauer
    • Artikelbild
      montage: derstandard.at
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