"Black Hawk Down": Engagement mit Opfermut

23. Juli 2004, 16:06
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Ridley Scotts "Black Hawk Down" stellt das Fiasko der US-Intervention in Somalia nach

Wien - Somalia, 3. Oktober 1993: US-Soldaten der Elitetruppe Delta Force rücken mit "Black Hawk"-Helikoptern in die Hauptstadt Mogadischu vor, um aus einem Unterschlupf von Mohammed Aidid ein paar seiner Gefolgsleute zu entführen. Was als Routineeinsatz geplant war, eskaliert, wird zum erbitterten Gefecht bis in die Morgenstunden, bei dem neben 18 US-Soldaten Hunderte Somalier ihr Leben lassen.

Black Hawk Down, inszeniert von Ridley Scott (Gladiator), tritt mit dem Anspruch auf, die Ereignisse jener Stunden möglichst "realistisch" erfahrbar zu machen. Dafür bedient er sich - wie andere jüngere Kriegsfilme (Saving Privat Ryan, We were Soldiers) - eines Inszenierungsstils, der Schlachten vor allem als visuelle und akustische Sensationen übersetzt, durch die Simulation von subjektiven Perspektiven oder auch eine explizite Darstellung verwundeter Körper.

Die Kampfhandlungen nehmen in Black Hawk Down den größten Raum ein. Zeitliche Inserts verdeutlichen die Chronologie der Ereignisse, sporadische Zeitlupen gelten den verletzten US-Soldaten, die mit wenigen Ausnahmen hellhäutig sind und mit ihren geschorenen Köpfen noch fragiler wirken (u. a. Josh Hartnett, Ewan McGregor). Somalier sterben hingegen wie Moorhühner, die aufgeregt aus ihrem Versteck flattern.

In seinem geopolitischen Anspruch ist der Film nahe an der Gegenwart. Er wirft die Frage nach der Legitimität der US-Interventionspolitik auf - die hier freilich noch durch rein humanitäre Gründe motiviert wird. Der Feind ist insofern beliebig: Er kann mit diversen "Schurkenstaaten" besetzt werden. Das Augenmerk gilt so der Opferbereitschaft der Amerikaner: Je mehr Gewalt diesen widerfährt, so die nur scheinbar paradoxe Logik des Films, desto entschlossener muss diese Politik fortgesetzt werden.

Deshalb bleibt Black Hawk Down auch nach 9/11 noch interessant, obgleich sich die Frage nach der Legitimität nun anders stellt. In den USA wurde der Start des Films auf den Jänner 2002 vorverlegt, zu einem Zeitpunkt, als der "Krieg gegen Terror" in Afghanistan im Gange war - er spielte über hundert Millionen Dollar ein. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2002)

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    foto: columbia
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