Erste Schritte in ein neues Terrain

2. Dezember 2002, 13:53
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Mit der neuen Abfertigung und der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge beginnt eine neue Ära des Absicherns der Einkünfte nach dem Erwerbsleben

Auch wenn noch vieles unklar ist, Durchführungsverordnungen für die neue Abfertigung fehlen und das junge Gesetz für die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge von der künftigen Regierung gleich wieder novelliert werden muss: Der Schub in eine (für Österreich) neue Richtung der Altersvorsorge ist getan.

Abfertigung neu

Sie gilt für alle neuen Dienstverhältnisse ab Jänner. Damit hat jeder Dienstnehmer auch bei Selbstkündigung Anspruch auf Abfertigung. Geschätzte drei Mio. Menschen kommen so künftig zu Abfertigungsgeld, das allerdings geringer sein wird als die lang gewohnte Staffel nach Dienstjahren. Gezahlt werden muss 1,53 Prozent vom Bruttolohn in eine Mitarbeitervorsorgekasse, von deren Kostenstruktur und vor allem von deren Veranlagungserfolg die Kapitalentwicklung abhängt. Steuerfrei ausgezahlt wird nur bei "Verrentung", allerdings kann der "Abfertigungsrucksack" nach drei vollen Beitragsjahren vom Anspruchsberechtigten entleert werden, wobei aber der Fiskus sechs Prozent verlangt. Im Durchschnitt dürften nach drei Jahren brutto rund 900 Euro angesammelt sein.

Bestehende Dienstverträge können bis 2012 übertragen werden - auch ein gutes Geschäft für die Mitarbeitervorsorgekassen. Bis dahin können sich Dienstnehmer einen Übertritt unter gewissen Bedingungen aussuchen.

Insgesamt soll damit die Mobilität gefördert werden. Gleichzeitig wird für Unternehmen damit aber auch die Intention eines Mitarbeiters ersichtlich, denn ein Übertritt ins neue sSystem lohnt eigentlich nur, wenn Jobhopping auf dem Lebensplan steht. Ansonsten bleibt mehr übrig, wenn die alte Regelung so lang wie möglich beibehalten wird. Infos und Abfertigungsrechner unter:

Geförderte Zukunftsvorsorge

Mit 180 Euro für maximal 1800 Euro Einzahlung pro Jahr will der Staat privat Erspartes ab kommendem Jahr in neue Produkte leiten. Mit dieser Prämie, die Bausparprämien um ein Vielfaches übertrifft, sollen dann alle anderen staatlichen Förderungen (Versicherungsprodukte) auslaufen. Die Produkte gibt es noch nicht, weil ihre gesetzlich vorgeschriebene Konstruktion den Anbietern Probleme macht: Sie müssen eine Kapitalgarantie abgeben und sie müssen verpflichtend 60 Prozent der Gelder über zehn Jahre in österreichische, griechische oder portugiesische Aktien zwecks Förderung der Aktienkultur anlegen. Die südlichen Nachbarländer stehen im Gesetz, weil anders eine intendierte Förderung der heimischen Aktien nicht EU-konform gestaltet werden konnte.

Zwar haben einige Anbieter schon Produkte in Aussicht gestellt und andere, wie etwa die Raiffeisen Zentralbank mit ihrem General Walter Rothensteiner, zumindest gesagt, man würde "einen Weg finden, die Prämie zum Kunden zu bringen". Doch zunächst muss das Gesetz novelliert werden, die Aktienquote ist den Anbietern zu hoch, viele wichtige Details sind noch völlig ungeklärt. Mit den zukunftsvorsorgenden Anlagevehikeln dürfte es also noch einige Monate dauern.

Klar ist aber auch bei dieser Anlageform: Renditeberechnungen - Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat 4,5 Prozent in Aussicht gestellt - sind reine Erwartungen. So wie die Konstruktion jetzt aussieht, kann das Worst-Case-Szenario auch bedeuten: Dem Sparer bleibt am Ende übrig: Kapitalgarantie minus Inflation - also weniger Geld. Ganz abgesehen davon, dass eine Börsenbaisse während der Auszahlungsphase (Rente) an den Auszahlungen schmerzlich frisst. Das spüren einige Tausend Österreicher seit zwei Jahren mit ihrer Zusatzpension in einer der sieben überbetrieblichen Pensionskassen: Teilweise wird um bis zu zehn Prozent weniger ausgezahlt. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 12.11.2002)

  • Mit neuen Vorsorgemodellen werden Arbeitnehmer und Sparer mit einem Teil ihres Einkommens an die Kapitalmärkt geführt.
    foto: photodisc

    Mit neuen Vorsorgemodellen werden Arbeitnehmer und Sparer mit einem Teil ihres Einkommens an die Kapitalmärkt geführt.

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