Für die Krone braucht es "Polit-Pin-Ups"

31. Oktober 2003, 15:29
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Zitrone für die beispiellose Preisung der weiblichen Vorzüge von drei Spitzenkandidatinnen

Für all jene LeserInnen, die es nicht zu ihrer bevorzugten Freizeitbeschäftigung zählen, am Wochenende die Kronen-Zeitung zu lesen, wollen wir an dieser Stelle auf ein besonderes Highlight der vergangenen Krone-Sonntagsausgabe hinweisen:

In seiner wöchentlichen Kolumne beschreibt "Adabei" Michael Jeannée die äußerlichen Vorzüge weiblicher Spitzenkandidatinnen von zumindest drei Parteien. Unter der Überschrift "Polit-Pin-ups in Rot-Schwarz-Grün" erfahren wir von "drei Gazellen", die "von ihrer Partei in die Schlacht geworfen", den grauen Einheitsbrei der männlichen Politiker auflockern sollen.

Nun wird über eine Seite, spärlich mit Worten gefüllt, wie es sich für die Präsentation von Pin Ups gehört, der Grad des "Gefallens" der Spitzenkandidatinnen ermessen. Ulli Simas "knisternde Kastanienhaare" (?) sowie ihre "Rehaugen" überzeugen, ebenso die Jugendlichkeit von "Silvi" Fuhrmann, die mit "Bergseelichtern" blinkt.

Zuguterletzt macht Jeanée sich noch über Eva Glawischnig her, deren Äußeres ja bereits ÖVP-Klubobmann Khol einen romantischen Schlenker wert war (Zitat: "Das Team um Van der Bellen ist z.B die wunderschöne Eva Glawischnig, die aber genauso radikal marxistisch ist wie Öllinger"). Ihre "Blitzaugen" verfolgen den Kolumnisten angeblich noch in seinen Träumen, und wenn da nicht die Männer der Grünen wären, wüßte er nicht, "was ich am 24. November in meiner Wahlkabine alles anstellen möcht." Wenigstens das müssen die LeserInnen nicht mehr erfahren.

So weit, so unter jeder Kritik. Und trotzdem fehlt uns wiedereinmal die Noblesse, solche Versatzstücke von Witzigkeit zu ignorieren und dem sexistischen Polit-Alltag seinen Lauf zu lassen. Wie man es dreht und wendet: Es ist einfach nicht einzusehen, dass Politikerinnen in der Öffentlichkeit derart über ihr Äußeres beziehungsweise ihren "Sexappeal" bewertet werden. Artikel wie diese und auch die Aussage von ÖVP-Klubobmann Khol versuchen berufstätige Frauen an ihrer Sexualität und somit außerhalb der männlich besetzten Macht festzunageln. Subjektivität und Persönlichkeit - alles, was eine Person stark macht - weichen einem austauschbaren, sexualisierenden Objektstatus. Und es kann getrost bezweifelt werden, dass diese Perspektive das Image einer durchsetzungsfähigen, aktiven Politikerin fördert.

Auf noch etwas sei an dieser Stelle hingewiesen: Der Vergleich mit der Aufmerksamkeit für Körperlichkeiten von männlichen Politikern hinkt. Ich will es nur erwähnt haben. (freu)

13.11.2002

Die Ceiberweiber widmen sich der Causa "Polit-Pin-Ups" ebenso: Nachzulesen im Wahltagebuch

  • Adabei Jeanée läßt sich gerne mit Zigarre ablichten. Was würde wohl Freud darüber denken?
    montage: diestandard.at
    Adabei Jeanée läßt sich gerne mit Zigarre ablichten. Was würde wohl Freud darüber denken?
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