Wiener Börse: Eine Woche der Erholung

31. Oktober 2002, 17:56
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Kursgewinne gab es auf breiter Front, lediglich die Aktien der Erste Bank schwächelten

Wien - Am Wiener Aktienmarkt scheint nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen wieder Zuversicht eingekehrt zu sein. Trotz anhaltend volatilen Umfelds infolge enttäuschender Konjunkturdaten in Deutschland und den USA verlief die letzte Oktober-Woche laut Händleraussagen erstaunlich stark. Im Wochenvergleich legte der ATX, der Index der wichtigsten heimischen Aktien, um 3,1 Prozent auf 1.082,80 Punkte zu.

Kursgewinne gab es auf breiter Front. Lediglich Index-Schwergewicht Erste Bank ließ diesmal aus: Belastet durch negative Nachrichten aus dem internationalen Bankensektor (die Deutsche Bank etwa rutschte im dritten Quartal unerwartet tief in die roten Zahlen), fiel der Aktienkurs um 2,5 Prozent und verhinderte damit einen stärkeren Anstieg des ATX.

Noch kein Überspringen der 1.100 Punkte-Marke

Für die kommenden fünf Handelstage rechnet der Chefanalyst der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Alfred Reisenberger, mit einem Index-Stand von 1.060 bis 1.085 Punkten. Für ein Überspringen der 1.100 Punkte-Marke sei es "noch zu früh", dämpfte er im APA-Gespräch Hoffnungen auf eine beschleunigte Erholung. Die Stimmung habe sich zuletzt zwar verbessert, "wir haben in dieser Phase aber noch nicht genug konsolidiert", sagte Reisenberger weiter.

Seine Analysten-Kollegen in der Ersten bescheinigen dem ATX für die kommende Woche bei positiven Vorgaben Potenzial bis 1.090 Punkte. Bei 1.050 sehen sie den Leitindex derzeit "gut abgesichert". Im Mittelpunkt der kommenden Börsenwoche in Wien stehen die Neunmonatszahlen von Verbund (Mittwoch) und Andritz (Donnerstag).

Telekom Austria legte stark zu

Bei Telekom Austria (TA) ging es in der abgelaufenen Woche um fast 3 Prozent nach oben. Am Freitag kursierten im Markt Gerüchte, Kernaktionär Telecom Italia (TI) habe das - in Medien kolportierte - Private Placement eines Teils seines TA-Aktienpakets schon durchgeführt. Eine Bestätigung dafür gab es weder von Telekom Austria noch von TI.

Ihren Erholungskurs fortsetzen konnte die AUA-Aktie, die erneut abhob und zwar um 5,5 Prozent im Wochenverlauf. Der rotweißrote Carrier will sich gegen unerwünschte Übernahmen wappnen: Ziel sei, durch Sanierung und Wertsteigerung so teuer zu werden, dass sich feindliche Freier "drei Mal überlegen", zum Zug zu kommen. Im laufenden Jahr sieht sich AUA operativ positiv, nach Finanzergebnis aber negativ. Nächstes Jahr will man auch nach Finanzergebnis den Turnaround geschafft haben.

OMV konnte 6,5 Prozent zulegen

Einen Wochengewinn von 6,5 Prozent konnten OMV einheimsen. Der Energie- und Chemiekonzern ist über seine dänische Beteiligung Borealis an einem 1,2 Mrd. Dollar teuren Polyethylen-Werk in Abu Dhabi beteiligt, mit dem nun die Tür zum großen asiatischen Kunststoffmarkt aufgestoßen wird.

Die beiden Stahlaktien Böhler-Uddeholm und voestalpine verzeichneten Kursaufschläge von 2 bis 4,5 Prozent. Voestalpine hat nach der Übernahme der Mehrheit am Weichenbauer VAE den Abfindungspreis für den Streubesitz mit 225,49 Euro je VAE-Aktie offiziell festgesetzt. Der Preis soll Ende Jänner 2003 ausgezahlt werden.

Andritz übernimmt von ABB den Bereich Zellstoff- und Papiertrockner, der Anlagenbauer vervollständigt mit dieser kleineren Akquisition sein Angebot für die Zellstoffproduktion. Die Andritz-Aktie verteuerte sich in dieser Woche um mehr als 4 Prozent.(APA)

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