Deutschlands Konjunkturaussichten für 2003 verdüstern sich

31. Oktober 2002, 17:02
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Regierung und IWF senken Wachstumsprognosen

Berlin/Washington - Die Konjunkturaussichten in Deutschland verdüstern sich weiter: Bundesregierung und IWF senkten am Donnerstag ihre Wachstumsprognosen. Wie Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in Berlin mitteilte, wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um 0,5 Prozent wachsen. Bisher lag die offizielle Vorhersage bei 0,75 Prozent. Für das kommende Jahr erwartet die Regierung nach eigenen Angaben 1,5 Prozent Wachstum, statt wie bisher 2,5 Prozent. Auch der IWF schraubte seine Erwartung an die deutsche Konjunktur im Jahr 2003 nach unten und mahnte zugleich weitere Reformen an.

Die neue Prognose der Bundesregierung decke sich weitgehend mit den Prognosen der großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, betonte Clements Ministerium. Der Arbeitsmarkt werde "von der konjunkturellen Belebung allmählich profitieren". Die Verbraucherpreise werden nach Einschätzung des Ministeriums in diesem und im kommenden Jahr nur mäßig anziehen. Sowohl für 2002 wie auch für 2003 geht die Bundesregierung von einer Inflationsrate von 1,5 Prozent aus.

Warnung vor voreiligen Rückschlüssen

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) warnte vor voreiligen Rückschlüssen von der Wachstumsschwäche auf die Staatseinnahmen: "Es ist nicht immer so, dass Sie mit einer solchen Prognose auch die Steuerentwicklung kennen." Er wolle zunächst die Steuerschätzung im November abwarten und auf dieser Basis dann den Nachtragshaushalt einbringen.

Der IWF prognostizierte für das laufende Jahr ein deutsches Staatsdefizit von annähernd 3,5 Prozent. Es würde damit weit über dem zulässigen Höchstwert der Euro-Staaten liegen. Auch Eichel hat inzwischen das Verfehlen der Maastricht-Marke eingeräumt, will aber eine eigene Prognose erst nach der Steuerschätzung im kommenden Monat aufstellen.

Für das laufende Jahr erwartet der IWF wie die Bundesregierung unverändert eine leichte Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,5 Prozent. Das kommende Jahr sieht die Finanzorganisation mit 1,75 Prozent dagegen etwas optimistischer als Berlin. Allerdings liegt dieser Wert 0,25 Prozentpunkte unter der IWF-Erwartung von September. Die Auswirkungen der Koalitionsvereinbarungen sind dabei noch nicht eingerechnet. Neben weiteren Reformen des Arbeitsmarktes auch über das Hartz-Konzept hinaus mahnt der IWF Deutschland vor allem, sich besser auf die künftigen Kosten der Alterssicherung vorzubereiten.(APA)

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