Serbischer Premier: "Ich war nächstes Ziel der Killergruppe"

31. Oktober 2002, 16:11
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Mehrere Festnahmen - Vorbereitungen für Mordanschlag gegen Djindjic waren bereits weit fortgeschritten

Belgrad - Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic ist überzeugt, dass er das nächste Ziel jener Gruppe von Profikillern gewesen wäre, deren sechzehn Mitglieder in den vergangenen Tagen in Belgrad und Umgebung festgenommen worden sind. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Belgrad erklärte der Ministerpräsident, dass die Festnahmen in einem Augenblick erfolgt seien, als die operativen Vorbereitungen für einen Mordanschlag auf ihn bereits weit fortgeschritten gewesen seien und das Risiko für ihn zu groß geworden sei.

"Für die Polizeiermittlungen wäre es vielleicht besser gewesen, wenn man mit den Festnahmen noch gewartet hätte, für mich wahrscheinlich aber nicht", kommentierte Djindjic die Tatsache, dass aufgrund der schnellen Polizeiaktionen nicht alle Gruppenmitglieder gefasst werden konnten. Auch die Hintermänner und Auftraggeber sind noch unbekannt.

Staat destabilisieren

Gemäß Djindjic, der sich auf Polizeierkenntnisse berief, habe die Gruppe durch eine Reihe von Mordanschlägen die Verhältnisse im Staat destabilisieren wollen, um der organisierten Kriminalität freien Handlungsraum zu sichern. Die Killergruppe habe ihre Aufträge von Mafiabossen bekommen, die den Rauschgift-, Waffen-, Zigaretten- und Benzinschmuggel betreiben.

Die festgenommenen Gruppenmitglieder stellen nach Ansicht von Djindjic nur die "Spitze des Eisberges" dar. Konkrete Mordpläne hätten für zwei Personen bestanden, für ihn und einen hohen Polizeifunktionär, sagte Djindjic. Die serbische Polizei habe sich sechs Monate lang mit der Killergruppe befasst und musste nach den Worten des Ministerpräsidenten mehrmals ihre Aktionen unterbrechen, nachdem Einzelheiten an die Öffentlichkeit durchsickert waren und einzelne Gruppenmitglieder damit gewarnt wurden.

Der serbische Ministerpräsident äußerte auch Befürchtungen, dass die Justiz nicht in der Lage sei, sich adäquat mit dem organisierten Verbrechen auseinandersetzen zu können. So war am vorigen Dienstag eines der Gruppenmitglieder, bei welchem größere Waffen- und Sprengstoffmengen sichergestellt wurden, vom Ermittlungsrichter vorübergehend freigelassen worden. Auch das föderale Gesetz zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, welches den besonderen Schutz von Zeugen vorsieht, ist noch nicht erlassen worden.

Nach Erkenntnissen der Polizei sollte die Killergruppe ihre Aufträge nicht nur aus Serbien, sondern auch von anderen Mafiazellen in der Region erhalten haben. Solche Zentren seien Djindjic zufolge Sarajewo und Banja Luka, aber auch Montenegro.

Die Belgrader Medien meldeten am Donnerstag außerdem, dass sich einer der Killerbosse, ein gewisser Zeljko Maksimovic, am Mittwoch Vormittag mit einem Privatflugzeug aus Montenegro nach Spanien abgesetzt haben soll. Er werde nun auf Marbella vermutet. An der Flucht sollen sogar einige montenegrinische Geheimpolizisten beteiligt gewesen sein, natürlich ohne Kenntnis der Behörden. Maksimovic ist ein ehemaliger Angehöriger der serbischen Geheimpolizei. (APA)

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