Fälschung und Betrug sind so alt wie die Wissenschaft

31. Oktober 2002, 16:24
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Schon Ptolemäus fingierte und Newton soll gemogelt haben

Hamburg/New York - Betrug in der Wissenschaft ist etwa so alt wie die Forschung selbst. Schon der Astronom Ptolemäus fälschte und fingierte Beobachtungen oder übernahm die Daten von Hipparchos, wie sich fast 2000 Jahre später herausstellte. Auch Isaac Newton soll dem italienischen Historiker Prof. Federico Di Trocchio zufolge gemogelt haben. Den Beweis des allgemeinen Gravitationsgesetzes habe Newton von einem Kollegen "geklaut".

Biologe Paul Kammerer half der Natur mit dem Malstift nach

Der österreichische Biologe Paul Kammerer half der Natur in den 1920er Jahren mit dem Malstift nach, als die von ihm gezüchteten Kröten nicht die erwarteten Markierungen aufzeigten. Als die Sache aufflog, beendete er seine Karriere und sein Leben mit einer Kugel.

Psychologe Sir Cyril Burt belegte Studie mit erfunden Personen

Der britische Psychologe Sir Cyril Burt habe seine Theorien vor rund 70 Jahren mit den fiktiven Intelligenzquotienten erfundener Personen belegt, schreibt die "New York Times" in einem Überblick. Als er auch noch die Namen seiner Mitautoren aus dem Blauen griff, kam man ihm auf die Spur. US-Forscher William Summerlin nahm 1974 einen Filzstift und malte weißen Mäusen schwarze Flecken auf, um fremde Hauttransplantate vorzutäuschen.

Aufgeflogen

Auch in Deutschland sind in den vergangenen Jahren einige Fälschungen aufgeflogen: An der Universität Bonn hatte ein Chemiker in seiner Dissertation angegeben, dass sich chemische Reaktionen von Magneten beeinflussen lassen. Nachdem sich die Daten als falsch erwiesen hatten, widerrief sein Doktorvater im Fachjournal "Angewandte Chemie" den dort gedruckten Beitrag. Der Doktortitel des jungen Forschers wurde aberkannt. Die Universität Düsseldorf entzog einem Privat-Dozenten im Oktober 1996 die Lehrbefugnis, weil der Mediziner Daten in einer Veröffentlichung vorgetäuscht hatte.

Größter deutscher Wissenschaftsskandal

Als bisher größter deutscher Wissenschaftsskandal gilt der Fall um die Krebsforscher Friedhelm Herrmann und Marion Brach, die zwischen 1988 und 1993 manipulierte Arbeiten veröffentlicht und damit Forschungsgelder erschlichen haben sollen. Eine Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) fand in 94 Artikeln von Herrmann konkrete Hinweise auf Datenmanipulationen. Bei gut der Hälfte davon war der Freiburger Klinikdirektor Roland Mertelsmann Co-Autor, der zeitweilig Vorgesetzter von Herrmann war. Herrmann ließ sich Mitte 1998 freiwillig von seiner Professur beurlauben.

Motive der Fälscher haben gewandelt

Doch solche Vorkommen sind selten. Die staatliche US-Stiftung "National Science Foundation" deckte im vergangenen Jahrzehnt etwa 50 Fälle von "Fehlverhalten" auf - unter 200.000 von ihr geförderten Projekten der Grundlagenforschung. Weitere 137 Forscher fielen den Gesundheitsforschungsinstituten (NIH) in Bethesda bei Washington auf, die im gleichen Zeitraum etwa 400.000 Vorhaben mitfinanzierten. Die Motive der Fälscher haben sich seit der Antike gewandelt, meint Di Trocchio: "Heute betrügt man, kurz gesagt, des Geldes wegen, früher dagegen tat man es wegen einer Idee." (APA/dpa)

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    Auch Isaac Newton soll geschummelt haben

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