Mit der Draisine begann der Fahrradspaß

31. Oktober 2002, 15:53
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Das Technische Museum zeigt die Entwicklung der Fahrradkultur an 112 selten gezeigten Objekten

Wien - Eine umfangreiche Schau zum Thema "fahr!rad" zeigt das Technische Museum Wien (TMW) ab 8. November: Aus eigenen Beständen und von nationalen und internationalen Leihgebern wurden 112 Objekte ausgewählt, die den 200-jährigen Werdegang von der Draisine bis zur High-Tech-Maschine in Europa dokumentieren. Präsentiert wird die Sonderschau im soziokulturellen Kontext, ergänzt wird sie von einem Hands-on-Rahmenprogramm.

Selten gezeigte Objekte

Der reiche Rad-Fundus des TMW ist für gewöhnlich - mit wenigen Ausnahmen - der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die erste und bisher einzige Depot-Ausstellung gab es 1995, für die aktuelle, auf 2000 Quadratmetern gezeigte Schau wurden nun die gezeigten Stücke in möglichst originalem Zustand konserviert, erklärt Kuratorin Zita Breu.

Karl Freiherr von Drais erfand die Laufmaschine

Am Anfang stand die Laufmaschine, nach ihrem Erfinder Karl Freiherr von Drais auch Draisine genannt. In der Ausstellung zu sehen ist die um 1820 in Wien gebaute Laufmaschine Erzherzog Johanns, ein klobiges Ding aus Holz mit elegantem Seeschlangenkopf als "Frontspoiler". Der nächste Entwicklungsschritt erfolgte in Frankreich, wo die Brüder Michaux Kurbeln ans Vorderrad montierten. Diese Epoche wird, wie auch die folgende Hochrad-Ära, in der Ausstellung durch mehrere Objekte repräsentiert, etwa ein Rudge-Hochrad von 1890, ausgerüstet mit den ersten "Pneumatics".

Durchbruch gelang ab 1885

Der große Durchbruch gelang ab 1885 mit der Entwicklung des Niederrades ("Safety") in England, ermöglicht durch Kettenantrieb und Übersetzungen. Die 1890er Jahre waren die "Goldene Zeit" des Fahrrades: 1896 bestanden auf dem Gebiet der Habsburger Monarchie 1.000 Fahrradklubs, das gesellschaftliche Leben war von "Stahlross" bestimmt, Frauen tauschten Korsett mit Radlerhose. In Wien, Graz und Steyr entstanden bedeutende Fahrradindustrien. Aus dieser Zeit werden auch "Exoten" wie ein Bambusrad, Kardanräder oder ein kommunikatives Compagnon-Rad gezeigt.

Um die Jahrhundertwende war der Boom wieder vorbei

Doch schon zur Jahrhundertwende war der Boom wieder vorbei. In der schwierigen Zwischenkriegszeit und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war das Fahrrad noch als Transportmittel von Bedeutung, ehe es in den sechziger und siebziger Jahren einen totalen Imageverlust hinnehmen musste. Einen Tiefpunkt markierte das Auto-Klapprad.

Die Umweltschutzbewegung und neue Sporttrends brachten in den achtziger Jahren mit dem Hollandrad - in der Schau ist das von Königin Wilhelmina zu sehen - und dem Mountainbike eine Renaissance. "Die Lust auf Fitness und Naturerlebnis, gepaart mit der Lust auf Geschwindigkeit, scheint heute wie damals viele Menschen zu faszinieren", schließt das TMW den Bogen. Geachtet wurde auf einen interaktiven Zugang: Auf Walzenmaschinen und einem Draisinen-Nachbau können die Besucher selbst ihr Können erproben. Geboten wird vom Hochrad- und Querfeldein-Rennen, das sogar durchs Museum führt, bis zum Patschenflick-Kurs ein breite Palette an Veranstaltungen. (APA)

Link: Technisches Museum
Sonderausstellung "fahr!rad vom 8.11.2002 bis 23.4.2003
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