Der neue Spitzenkandidat

31. Oktober 2002, 15:33
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Personalprobleme begleiteten Sozialminister Herbert Haupt während der letzten Jahre

Wien - Für Sozialminister Herbert Haupt ist die neuerliche Kür zum Spitzenkandidaten der FPÖ ein Comeback. Schon am 11. September war er für diese Funktion eingesprungen, nachdem Parteichefin Susanne Riess-Passer zurückgetreten war. Zehn Tage später wurde dann Infrastrukturminister Mathias Reichhold zum FPÖ-Chef gewählt und als Spitzenkandidat aufgestellt, Haupt später beim Parteitag in Oberwart einer der vier Stellvertreter des Parteiobmanns und dies mit dem besten Ergebnis aller Kandidaten von 96,1 Prozent. Dieses gute Abschneiden sicherte ihm nun auch die Rolle des Interimsobmanns.

Als Sozialminister macht der 54-jährige Kärntner aus Seeboden in den vergangenen zwei Jahren oft keine allzu glückliche Figur. Die Opposition wird im Wahlkampf sicherlich nicht zögern, dem neuen FPÖ-Spitzenkandidaten Pannen von der Causa Fabel über die Affäre Gaugg bis hin zu den unbeliebten Sozialmaßnahmen wie Ambulanzgebühr und Unfallrenten-Besteuerung vorzuwerfen. Punkten könnte der Sozialminister mit seinem umsichtigen Vorgehen in der BSE-Krise und seiner Leutseligkeit, die im Wahlkampf wohl gefragt sein wird.

Charakteristisch für die Amtstätigkeit Haupts waren oftmals seine Probleme, sich klar auszudrücken. Die Folge waren unzählige Rückzieher des Sozialministers. So war er einst bereit, auf Wunsch Jörg Haiders eventuell zurückzutreten, und musste nicht einmal 20 Minuten später schon wieder dementieren. Ein anderes Mal ging er in den Ministerrat und wollte Hauptverbands-Präsident Hans Sallmutter vorerst einmal nicht ablösen und kam eine halbe Stunde später wieder heraus, um ihn (rhetorisch) sofort aus dem Amt zu jagen, was dann monatelang ohnehin nicht gelang. Begünstigt wurden diese Irrungen und Wirrungen nach Meinung von Journalisten durch eine nicht immer gerade professionelle Pressearbeit seiner Mitarbeiter.

Verzettelt hat sich Haupt des öfteren im Gesundheitswesen, wo ihm bis heute nicht einmal ein Reform-Ansatz einfiel. Besonders bei der Ambulanz-Gebühr und der Unfallrenten-Besteuerung fing sich der Sozialminister einiges an Kritik ein. Als Frauenminister fiel Haupt nur auf, als er eine eigene Männerabteilung etablierte. Zu den raren Erfolgen gehörten die Umsetzung des Kindergelds sowie die Behindertenmilliarde. Zuletzt gelang ihm eine relativ saftige Pensionserhöhung.

Dazu kamen noch Haupts diverse Personalprobleme. Da gab es etwa Ute Fabel, seine zunächst viel gepriesene Kabinettschefin, die dann aber wegen ihres vorgetäuschten Magister-Titels ihren Posten räumen musste. Nicht viel besser erging es Haupt mit seinem alten Freund Reinhart Gaugg, dessen Tätigkeit in der Pensionsversicherungsanstalt nach einer langen Privilegien-Diskussion mit einer Alko-Fahrt ihr Ende nahm. Ebenfalls keine glückliche Hand bewies Haupt, als er seine frühere Mitarbeiterin Christine Weber zur Leiterin der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung ernannte, und dies obwohl ein Gutachten sie als nur "in geringerem Ausmaße geeignet" für die Position bezeichnete.

Voll in Fahrt kam Haupt eigentlich nur, wenn es um sein eigentliches Fachgebiet, die Tiermedizin, ging. In der BSE-Krise zeigte er ebenso rasches und umsichtiges Vorgehen wie beim Hormon-Fleisch-Skandal. Ansonsten fiel er positiv auf, als es darum ging, bei Parteiveranstaltungen für gute Stimmung zu sorgen.

Haupt, der für den erkrankten Reichhold einspringt, hat selbst einen angeschlagenen Gesundheitszustand. Der langjährige Weggefährte Jörg Haiders leidet unter Hepatitis C, ist momentan aber nach eigenen Angaben virusfrei. Dass er sich trotzdem zur Verfügung stellt, wird innerparteilich mit seiner Nibelungentreue zur FPÖ und insbesondere Jörg Haider begründet. Bei einem Scheitern wird sich der Tierarzt nach eigenen Angaben wieder seinem erlernten Beruf zu wenden und mehr Zeit seiner Frau und den von ihm geliebten Gartenzaun-Gesprächen widmen.

In der Partei kennt sich Haupt aus, im Nationalrat, dem er seit 1986 angehört, ebenso. Auch mit den anderen Parlamentsfraktionen hatte Haupt eine gute Gesprächsbasis - zumindest bis in die frühe Vergangenheit, bis zur Causa Hauptverband. Nun sind die Beziehungen zu SPÖ und Gewerkschaft ausgesprochen kühl. Auch für die roten und grünen Frauen ist Haupt - auch Frauenminister - zum Feindbild geworden.

Haupt wurde am 28. September 1947 in Seeboden, Kärnten, geboren. 1966 bis 1977 studierte er in Wien Veterinärmedizin. Während des Studiums wurde er Mitglied des Ringes Freiheitlicher Studenten (RFS). Seit 1977 ist Haupt als Tierarzt mit Privatpraxis in Spittal tätig. Ein Jahr später wurde er FPÖ-Bezirksobmann in Spittal, von 1981 bis 1985 gehört er dem Spittaler Gemeinderat an. 1986 kam er in den Nationalrat. Am 24. Oktober 2000 löste er Elisabeth Sickl als Sozial- und Frauenminister ab. (APA)

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    Der alte und der neue Sptzenkandidat: Mathias Reichhold wird durch Herbert Haupt ersetzt

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