Gläubiger retten Phenomedia - Moorhuhn und Aktienkurs im Höhenflug

31. Oktober 2002, 13:00
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Börsenkurs schnellte nach oben - Heuer 235.000 Euro Gewinn geplant

Die zahlungsunfähige Phenomedia - bekannt durch das Moorhuhn-Spiel - bekommt eine neue Chance. Die Gläubigerversammlung gab am Donnerstag in Bochum grünes Licht für den Fortbestand der Phenomedia AG. Das mit 16 Mill. Euro verschuldete Softwarehaus werde in ihrem Kerngeschäft Spiele- und Charaktere-Entwicklung mit 30 Beschäftigten weiter arbeiten, teilte der Insolvenzverwalter mit. Der Börsenkurs schnellte am Vormittag um 66 Prozent auf 55 Cent hoch.

Bilanzfälschung und Insolvenz

Der durch das virtuelle "Moorhuhn" bekannt gewordene Spieleentwickler war Bilanzfälschungen im Frühjahr ins Trudeln geraten und hatte Insolvenzantrag gestellt. Für das laufende Jahr erwartet der Insolvenzverwalter nach der Neuordnung wieder 235.000 Euro Gewinn, im kommenden Jahr 1 Mill. Euro.

Seit dem Börsengang im Jahr 1999 hat Phenomedia in seinen Bilanzen fingierte Rechnungen im Umfang von 22,3 Mill. DM (11,4 Mill. Euro), verbucht. Der Umsatz lag tatsächlich bei 33,9 Mill. DM, statt bei 56,2 Mill. DM. Der Verlust betrug in den drei Bilanzjahren statt 8,5 Mill. DM tatsächlich 58,3 Mill. DM (29,8 Mill. Euro). Dabei sollte laut Bilanz in den ersten beiden Jahren sogar ein Gesamtgewinn von 4,2 Mill. DM erwirtschaftet worden sein.

Schuldenminimierung erwartet

Der Insolvenzverwalter erwartet zur Schuldenminderung jetzt Steuerrückerstattungen in Höhe der angegebenen Gewinne und Einnahmen aus dem Verkauf der noch mehr als einem Dutzend Beteiligungen und der Lizenzen. Ob auch Forderungen gegen die Wirtschaftsprüfungs- Gesellschaft gestellt werden können, die die falschen Bilanzen genehmigt hatte, sei noch nicht geklärt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Seit Aufdeckung der Luftbuchungen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Vorstandschef Markus Scheer und Finanzvorstand Björn Denhard wegen Bilanzfälschung und Insiderhandels. Nach großen Aktienbewegungen vor Bekanntwerden des Bilanzschwindels untersuchen Staatsanwaltschaft und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), ob Fälle von Insiderhandel vorliegen. Die Ex-Vorstände hätten bisher Bilanzfälschungen eingeräumt, nicht aber Insiderhandel, erklärte die Staatsanwaltschaft. BAFin sieht indes den Verdacht des Insiderhandels erhärtet.(APA/dpa)

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