Frauenanteil im Nationalrat immer noch unter 30 Prozent

31. Oktober 2002, 15:33
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Trotz vehementer Wahlkampf-Beteuerungen hat sich zu 1999 in punkto Frauenquote nichts geändert

Wien - Männlich, 50 Jahre alt und Beamter ist der durchschnittliche Abgeordnete im derzeitigen Nationalrat. Die Frauen stellen zwar die Mehrheit der Wahlberechtigten, ihr Anteil im Hohen Haus liegt am Ende der vorzeitig beendeten XXI. Gesetzgebungsperiode aber nur bei 29,0 Prozent. 53 der 183 Mandatare sind weiblich. Trotz damals vehementer Wahlkampf-Beteuerungen hat sich im Vergleich zu vor der Wahl 1999 nichts geändert.

Zu Anfang der Legislaturperiode, Ende 1999, war der Anteil der Frauen sogar auf 26,8 Prozent gefallen. Durch die Nachbesetzungen für in die Regierung gewechselte oder ausgeschiedene Mandatare hat sich die Quote bis zum Ende der Legislaturperiode leicht gebessert.

Führende Funktionen in Männerhand

Die einzige Fraktion, die zur Hälfte aus Frauen besteht, sind die Grünen. Fast ein Drittel, nämlich 32,3 Prozent, Frauen gibt es im SPÖ-Klub; das sind um fast vier Prozentpunkte mehr als vor der Wahl 1999. Auf ein Viertel weibliche Abgeordnete bringt es die ÖVP - und am letzten Platz liegt die FPÖ mit 23,1 Prozent. Damit hat die ÖVP die FPÖ überholt, vor der Wahl 1999 kam die ÖVP auf nur 19,2 Prozent und die Freiheitlichen auf 26,2 Prozent. Die führenden Funktionen im Nationalrat waren in dieser Legislaturperiode alle fest in Männerhand: Es gab keine weibliche Klubchefin und keine Nationalratspräsidentin.

Alterslistungen

Das Durchschnittsalter der insgesamt 183 Abgeordneten liegt bei 50 Jahren. Die weiblichen Abgeordneten sind jünger - ihr Durchschnittsalter ist 47,1 Jahre, das der Männer 51,0. Die jüngste Fraktion sind die Grünen, das Durchschnittsalter ihrer 14 Abgeordneten liegt bei 43,4 Jahren. Älterster Grünen-Mandatar ist Bundessprecher Klubobmann Alexander Van der Bellen (58), die jüngste ist Eva Glawischnig (33) knapp vor Dieter Brosz (33).

Die "älteste" Fraktion ist die SPÖ mit durchschnittlich 51,9 Jahren. Kurt Heindl (66) ist der älteste der 65 SPÖ-Mandatare, Ulrike Sima (34) die jüngste Sozialdemokratin. Die ÖVP kommt auf durchschnittlich 50 Jahre. Ihr jüngster Abgeordneter, Werner Amon, ist 33 Jahre alt. Mit Gerhart Bruckmann, geboren am 9. Jänner 1932, hat die ÖVP den derzeit ältesten Abgeordneten in ihren Reihen. Ebenfalls bereits 70 Jahre - aber einige Monate später, am 25. Oktober, geboren - ist der älteste FPÖ-Abg. Harald Ofner. Die beiden 70er treten ebenso wie Heindl bei dieser Wahl nicht mehr an.

Die FPÖ-Mandatare haben ein Durchschnittsalter von 48,1 Jahren. In ihren Reihen findet sich auch der jüngste Abgeordnete dieser Legislaturperiode, der 28-jährige Rüdiger Schender.

Schender ist derzeit auch der einzige Mandatar, der noch keine 30 Jahre alt ist. In der FPÖ gibt es neben ihm noch sechs weitere Abgeordnete unter 40 Jahren. In der ÖVP sind vier jünger als 40, in der SPÖ und bei den Grünen nur jeweils zwei.

ArbeiterInnen stark unterrepräsentiert

Der immer noch häufigste Beruf der Abgeordneten ist öffentlich BedienstetEr; 49 waren es in dieser Periode. Allerdings ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen: Vor der Wahl 1999 waren 66 Mandatare BeamtInnen. Umgekehrt ist die Zahl der in Sozialversicherungen, Parteien und Interessensvertretungen Beschäftigten um zwölf auf 36 gestiegen. Einen geringen Zuwachs um zwei auf 29 gab es bei den im Bankenbereich, Fremdenverkehr, Handel und bei Versicherungen Beschäftigten. Je 24 Abgeordnete dieser Periode waren FreiberuflerInnen bzw. in Industrie und Gewerbe beschäftigt. 16 Land- und Forstwirte gab es und eine/n im "Haushalt" tätigen.

Fast ein Drittel der Abgeordneten dieser Periode war selbstständig. Stark unterrepräsentiert sind die ArbeiterInnen - mit nur zwei männlichen und einer weiblichen Nennung. (APA)

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    20. September 2002, Parlament in Wien: Im Plenum wird einstimmig die vorzeitige Beendigung der XXI. Gesetzgebungsperiode beschlossen.
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