Deutsche Post will tausende Filialen schließen

31. Oktober 2002, 16:47
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Manche Stelle wird nicht wieder besetzt - Bis 2005 Gewinnsteigerung um 40 Prozent angepeilt

Frankfurt - Die Post will ihren Gewinn maximieren und drückt auf die Kostenbremse: Filialen sollen geschlossen, Briefkästen abgebaut und eine ungenannte Zahl frei werdender Stellen nicht wieder besetzt werden. Mit der Umsetzung ihres "Wertsteigerungsprogramms STAR" rechnet die Deutsche Post mit einer Gewinnsteigerung bis 2005 um 40 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro. Das gab Postchef Klaus Zumwinkel am Donnerstag in Frankfurt bekannt.

Die großen Wertreserven des Konzerns sollen dafür aktiviert und alle in den Bereichen Express und Logistik tätigen Konzernfirmen unter dem Dach DHL integriert werden. "STAR" erfasse alle Bereiche des Konzerns - Brief, Express, Logistik und Finanzdienstleistung - und bestehe aus 115 Einzelprojekten.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Von dem Einsparprogramm sei nur ein geringer Teil der rund 380.000 Arbeitnehmer vor allem außerhalb Deutschlands betroffen, sagte Zumwinkel. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. "Es gibt kein generelles Stellenabbauprogramm." Das Unternehmen werde wie bisher zur Produktivitätssteigerung die natürliche Fluktuation nutzen.

In den nächsten zwei Jahren werden nach Einschätzung von Zumwinkel etwa 1.000 Postfilialen in Deutschland schließen. Die 5.000 posteigenen Filialen seien allerdings nicht davon betroffen, sondern lediglich Postagenturen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 13.000 Postfilialen. Das Netz werde wie schon in den vergangenen Jahren weiter an die Bedürfnisse angepasst. Dies gelte auch für die Briefkästen. Wenn sich herausstelle, dass die Nachfrage fehle, werden Briefkästen abgebaut. Zur Zeit gibt es in Deutschland 140.000 Briefkästen. Vermutlich werde es eine gewisse Reduzierung geben, sagte Zumwinkel. Es sei jedoch sichergestellt, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Nachsendungen und postlagernde Sendungen nicht kostenlos

Nachsendungen und postlagernde Sendungen werden vom Jänner an nicht mehr kostenlos sein: So wird ein Nachsendeauftrag über sechs Monate nach Angaben der Post 14,80 Euro und für ein Jahr 24,80 Euro kosten, für die Lagerung von Sendungen berechnet die Post künftig für einem Monat 7,80 Euro und für drei Monate 9,80. Damit gleiche sich die Post an Regelungen in anderen europäischen Ländern an, sagte Zumwinkel.

Im Express- und Logistikgeschäft tritt die Post künftig weltweit unter dem Markennamen DHL auf, unter anderem werden die Paketwagen dieses Logo tragen. Die Namen Euro Express und Danzas verschwinden. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Peter Kruse (Express, Logistik) und Uwe Dörken (Express) sollen den neuen Bereich gemeinsam führen. DHL gehört zum Konzern Deutsche Post World Net und ist der weltgrößte Expressdienstleister. DHL werde einen Umsatz von mehr als 30 Mrd. Euro bündeln, sagte Zumwinkel. Die EU hat die Übernahme sämtlicher DHL-Anteile bis Ende des Jahres genehmigt.

10 bis 15 Prozent verringertes operatives Ergebnis erwartet

Für dieses Jahr erwartet die Post ein gegenüber dem Vorjahr um rund 10 bis 15 Prozent verringertes operatives Ergebnis. 2001 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 33,4 Mrd. Euro und einen Gewinn vor Steuern auf 2,6 Mrd. Euro erzielt. In diesem Jahr wirkten sich kräftige Einbußen im Briefgeschäft aus, der traditionell einträglichsten Sparte.

Stark belastet wird der Konzerngewinn durch die fällige Einmalrückzahlung der unerlaubten Beihilfe an die Bundesregierung in Höhe von 850 Mill. Euro. Damit schrumpfe der Konzerngewinn in den ersten neun Monaten auf 392 Mill. Euro. Der Jahresüberschuss, das Ergebnis nach Steuern, lag im gleichen Zeitraum bei 1,3 Mrd. Euro und damit etwa auf Vorjahresniveau. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel wertete das Ergebnis angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als zufrieden stellend.(APA/dpa)

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