Knoll präsentiert SP-Forderungen für Behindertenpolitik

31. Oktober 2002, 11:15
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Gusenbauer begleitet Quereinsteigerin bei erstem Wahlkampfauftritt - Gebärdensprache als Amtssprache anerkennen

Wien - Bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt präsentierte SP-Quereinsteigerin Gertraud Knoll am Donnerstag gemeinsam mit Parteichef Alfred Gusenbauer ihre Vorstellungen für eine künftige Behindertenpolitik. Knoll soll ja in einem Gusenbauer-Kabinett Staatssekretärin im Sozialministerium mit den Schwerpunkten ältere Menschen und Behinderte werden. An erster Stelle stünde ein Behindertengleichstellungsgesetz, mit dem sämtliche Diskriminierungen für Behinderte beseitigt werden sollten, sagte Knoll.

Präsentiert wurde die SP-Programmatik im Rahmen eines Betriebsbesuches bei der "Volkshilfe-Box" im dritten Wiener Gemeindebezirk. Dort werden jährlich 230 bis 250 Tonnen an Altkleidern gesammelt, gewaschen und an Second-Hand-Läden weiter gegeben. Beschäftigt sind in diesem Betrieb rund 30 behinderte Menschen und Langzeitarbeitslose, die am Arbeitsmarkt nur schwer vermittelt werden können.

Durch dieses Projekt hätten die Menschen eine "echte Chance, sich schrittweise wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren", sagte Gusenbauer. Von der Politik bedürfe es aber besonderer Anstrengungen. Er sprach sich dafür aus, die Gebärdensprache offiziell als Amtssprache anzuerkennen. Hörbehinderte sollten demnach auf Ämtern die Möglichkeit haben, einen Gebärdensprachen-Dolmetscher in Anspruch zu nehmen.

Gusenbauer plädierte auch dafür, die schulische Integration von geistig Behinderten über das Polytechnikum hinaus fortzusetzen. So sei der Zugang zur Berufsschule eine "entscheidende Angelegenheit". Aber auch zu weiterführenden Schulen sollten geistig behinderte Menschen Zugang haben. Auch wenn sie nicht die gesamte Schule abschließen könnten, sei jede Zusatzqualifikation wichtig. Und schließlich würden auch die Mitschüler profitieren. Als vierten Schwerpunkt der SP-Behindertenpolitik nannte Gusenbauer den leichteren Zugang für Behinderte zu öffentlichen Einrichtungen.

Knoll kündigte an, diese Forderungen im Falle einer SP-Regierungsbeteiligung umzusetzen. Ihr Ziel sei es, dass Behindertenpolitik als Menschenrechtspolitik verstanden wird. In einem der reichsten Länder der Welt müsse es möglich sein, die europäische Menschenrechtskonvention nicht nur anzuerkennen, sondern auch für Behinderte umzusetzen. (APA)

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    Knoll und Gusenbauer treten in der Volkshilfe auf

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