Neues Glück mit Hindernissen

31. Oktober 2002, 10:51
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Langsam gewöhnen sich die Österreicher an den Euro - Doch es gibt Probleme: Jeder Zweite bewertet 100 Euro mit 1.000 Schilling

Wien - Die Österreicher gewöhnen sich zwar langsam an den Euro, drei Viertel glauben aber noch immer, dass es ein Jahr oder länger dauern wird, bis sie wirklich gut und geläufig mit der neuen Gemeinschaftswährung umgehen können. Wie aus einer begleitenden Studie zur Euro-Bargeldeinführung hervorgeht, entspricht im Gefühl der Bevölkerung allerdings ein 100 Euro-Schein in der Wertigkeit dem früheren 1.000-Schilling-Schein und stellt somit eine Ausgabengrenze etwa für den Wochenendeinkauf dar. Generell positiv empfinden die Österreicher den Euro beim Urlaub in einem anderen Euroland.

Ein Drittel der Befragten gibt an, sie hätten sich an den Euro schon "sehr gut gewöhnt", die Hälfte ist die neue Währung bereits "gewohnt". Immerhin jeder Fünfte hat aber noch immer Probleme mit der neuen Währung.

Bis der Umgang mit dem Euro aber wirklich geläufig ist, dürfte es noch einige Zeit dauern. Rechnete vor der Euro-Bargeldeinführung die Mehrheit damit, wenige Wochen dafür zu brauchen, denken nach neun Monaten mittlerweile drei Viertel, dass es noch "ein Jahr und länger" dauern wird.

Frappant ist allerdings, dass bei der Hälfte der Befragten die Wertigkeit eines 100 Euroschein gefühlsmäßig etwa dem früheren Tausendschilling-Schein entspricht und stellt "so eine Art von Ausgabengrenze dar". Dieser Geldbezug wird auch als "pragmatische Form der Budgetplanung" eingesetzt, so Studienautor und AK-Konsumentenschützer Karl Kollmann.

Drei Viertel räumen auch ein, dass bei ihnen die "Beurteilungsschwelle" - ob etwas billig oder teuer ist - gestiegen ist. Die Folgen sind offenbar im Haushaltsbudget ablesbar: Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, dass es in ihrem Haushalt in den vergangenen Monaten "finanziell enger" geworden ist.

Drei Fünftel - nach rund 30 Prozent im April - haben sich bei kleinen Eurobeträgen schon einmal preislich verschätzt. Die Hälfte der Befragten gibt jedoch auch an, dass dieses "sich vertun" in letzter Zeit besser geworden ist. Immerhin noch zwei Fünftel der Befragten geben an, dass ihnen die doppelte Preisauszeichnung, sofern sie noch vorhanden ist, beim Einschätzen der Preise hilft. Bei größeren Beträgen benützen etwa 40 Prozent noch gelegentlich den Taschenrechner.

Ärger bereiten den Österreichern nach wie vor die schwer zu unterscheidenden kleinen Cent-Münzen. An die 2-Euro-Münze hat man sich laut Studie dagegen mittlerweile gewöhnt.

Die Ergebnisse entstammen einer begleitenden Studie zur Euroeinführung der Arbeitsgruppe Verbraucherforschung, die unter der Leitung von AK-Konsumentenschützer Karl Kollmann in Kooperation mit Fessel+GfK und mit Förderung der OeNB durchgeführt wurde. Ende September und Anfang Oktober wurde in 31 Tiefeninterviews neuerlich der Umgang mit dem Euro erfragt. Die früheren Befragungen wurden im Dezember 2001, im Jänner bzw. April 2002 durchgeführt. Eine fünfte Welle ist für Anfang 2003 geplant. (APA)

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    montage: derstandard.at
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