Lebenslang für Urheber der Pariser Anschlagsserie von 1995

30. Oktober 2002, 22:37
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GIA-Terroristen hatten Bomben in Metro-Stationen gelegt

Paris - Sieben Jahre nach der blutigen Pariser Anschlagsserie mit acht Toten und etwa 250 Verletzten sind zwei der Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Sondergericht aus Geschworenen sah es am Mittwochabend in der französischen Hauptstadt als erwiesen an, dass der 34-jährige Boualem Bensaid und der gleichaltrige Smain Ait Ali Belkacem aus Algerien für insgesamt drei Anschläge mitverantwortlich waren. Zu den Anschlägen hatte sich 1995 die algerische Fundamentalistenorganisation Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) bekannt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Angeklagten lebenslange Haftstrafen gefordert, von denen sie mindestens 22 Jahre hinter Gittern verbringen sollten. Der Staat sei gewillt, den Terrorismus zu bekämpfen, hatte Generalstaatsanwalt Gino Necchi betont.

Seit der Prozesseröffnung am 1. Oktober hatten zahlreiche Zeugenaussagen und Indizien die Beteiligung von Bensaid und Belkacem untermauert. Einen schlüssigen Beweis vor allem für Bensaids Mitschuld an dem blutigsten der Anschläge auf die Metro-Station Saint-Michel blieben die Ankläger schuldig. Am Eingang der Pariser Untergrundbahn waren dort am 25. Juli 1995 acht Menschen durch eine Bombe getötet und 150 teils schwer verletzt worden. Bensaids Anwälte hatten im Falle des Anschlages von Saint-Michel einen Freispruch gefordert. Im französischen Rechtssystem sollen Geschworene nach ihrer "innersten Überzeugung" richten und sich nicht allein auf Beweise stützen.

Die Verteidiger von Belkacem hatten indirekt eine Beteiligung ihres Mandanten an dem Anschlag auf die Metro-Station bei Musee d'Orsay eingeräumt. Sie wollten sich in ihrem Plädoyer aber nicht auf ein Strafmaß zwischen einem "skandalösen Freispruch" und einer "unausweichlichen Verurteilung" festlegen. (APA)

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