Euro kein "Teuro" bei Wiener Wirten - im europäischen Vergleich

30. Oktober 2002, 21:00
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Von 14 europäischen Städten is(s)t Wien noch am günstigsten

Wien - Die einen unkten vom Euro als "Teuro". Andere, wie der Szenewirt Stefan Gergely, tischten faire Preisaktionen auf und argumentierten, dass man die teuren Einkaufspreise eh nicht weitergebe - etwa bei Rindfleisch im Zuge der BSE-Krise oder bei Obst und Gemüse nach dem frostigen Frühling in Südeuropa.

Und jetzt gibt es eine Studie, die das Wiener Preis-Leistungs-Verhältnis einmal in einen internationalen Zusammenhang stellen soll. Mit den Ergebnissen: Wien is(s)t günstig - und hat eine Gastronomiedichte wie keine andere Vergleichsstadt.

So wurde etwa festgestellt, dass es in Wiener Lokalen seit der Euro-Einführung eine Teuerungsrate von 1,9 Prozent gab, wie der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig am Mittwoch betonte. Vor allem aber: Die Wiener Gastronomie zeichne sich europaweit durch Tiefstpreise aus, wie der Vergleich mit 13 weiteren Städten zeige: also in 100 Lokalen in Kopenhagen, London, Paris, Berlin, Brüssel, Dublin, Stockholm, Mailand, Helsinki, München, Frankfurt, Madrid und Lissabon. In Wien sei der kulinarische Genuss am günstigsten - sei es in Spitzenlokalen, Cafés oder Beisln, die von Handelsdelegierten verglichen wurden.

Im Speisen-Gesamtvergleich liege sogar Lissabon als zweitbilligste Stadt um drei Prozent über Wiener Niveau, danach folgen Madrid (plus 32 Prozent) und Frankfurt (40 Prozent). Die höchsten Preise gibt's in Paris (120 Prozent über Wien), London (125 Prozent) und Kopenhagen (143 Prozent).

Dieses Ergebnis sei "umso bemerkenswerter, als in Österreich die Lohnnebenkosten im europäischen Spitzenfeld liegen", wunderte sich Nettig. Für Gergely liegt die Antwort auf der Hand: "Konkurrenz belebt das Geschäft, und deshalb ist Wien wegen der hohen Lokaldichte so günstig."

Hohe Fluktuation

In der Bundeshauptstadt können die knapp 1,6 Millionen Einwohner unter 6911 Gastronomiebetrieben wählen. Wobei die Fluktuation der Betreiber "sehr hoch" sei, wie Josef Bitzinger von der Wirtschaftskammer Wien weiß. "Es sind rund zehn Prozent pro Jahr. Wir beobachten das seit etwa 20 Jahren - und langsam verflacht sich die Kurve."

Eine Art "Relaunch" sei das in Richtung leichtere Küche, so Bitzinger. Und in Richtung höherwertiger Produkte, die von den Gästen immer mehr gefordert würden. Aber auch mehr kosten. (frei, DER STANDARD Printausgabe 31.10/1.11 2002)

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