Deutscher TV-Markt neu aufgeteilt

30. Oktober 2002, 20:04
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Bauer und Bertelsmann dominieren privaten Sektor - Synergien zwischen Print und TV "plausibles" Konzept

Vor bald 20 Jahren gehörte der Heinrich-Bauer-Verlag zu den Pionieren des Privatfernsehens in Deutschland: Mit anderen Verlegern zusammen gründete er den Sender Sat.1, musste bald aber für den Münchner Filmhändler Leo Kirch das Feld räumen. Jetzt soll Bauer das Filetstück des Pleite gegangenen Kirch-Imperiums übernehmen. Mit dem Zuschlag für die Hamburger Verlegerfamilie wird der deutsche Fernsehmarkt neu aufgeteilt: Bauer, Bertelsmann, ARD und ZDF heißen danach künftig die großen Vier.

Unzählige Programmzeitschriften ...

In seinen Fernsehsendern könnte Bauer nicht nur für die eigenen Zeitschriften wie "Bravo" oder "Neue Revue" werben. Seine unzähligen Programmzeitschriften - von "TV Movie" über "TV Hören und Sehen" bis "TV Klar" und "TV Pur" - könnten auch die hervorragenden Angebote der eigenen Sender hervorheben. Das dürfte die Zuschauerzahlen und Werbeeinnahmen erhöhen. Bauers "Konzept ist sehr plausibel", sagte KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems am Mittwoch in Ismaning: Das Zusammenführen von elektronischen und Druckmedien eröffne viele Synergien.

Neuordnung

Ein halbes Jahr nach der Insolvenz der KirchMedia und der anderen Kirch-Firmen ist nun ein Großteil neu geordnet. Der Sportrechtehandel wurde bereits für 300 Millionen Euro an den einstigen Adidas-Chef Robert Louis Dreyfuss und Günter Netzer verkauft - der Vertrag werde am (morgigen) Donnerstag unterschrieben, sagte Ziems. Der Axel Springer-Verlag ist wieder Herr im eigenen Haus, seit Leo Kirch sein Springer-Aktienpaket endgültig herausgeben musste. Premiere, jahrelang Fass ohne Boden, kann unter dem neuem Chef Georg Kofler Sanierungsfortschritte vorweisen und erwartet, im Dezember unter neue Fittiche zu kommen.

Gläubiger müssen sich in Geduld üben

Die Gläubiger der KirchMedia müssen sich aber noch lange gedulden, bis sie ihr Geld wenigstens zum Teil wieder sehen. Sie hatten Forderungen über 9,3 Mrd. Euro angemeldet, nur 1,9 Mrd. wurden von Insolvenzverwalter Michael Jaffe bislang anerkannt. Abschlagszahlungen werde es wahrscheinlich noch nicht einmal im Jahr 2003 geben. "Insolvenzverfahren dauern Jahre", sagte er. (APA/AP)

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