Die Gourmet-Gulaschkanoniere

30. Oktober 2002, 20:06
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Österreichs Heeresköche machen sich auf den Weg zur Koch-WM

Wien - Die Nato ist vor allem eines: ein Gourmetklub. Wer dabei sein will, muss Mindeststandards erfüllen. Vor allem kulinarischer Natur. Der Rest - also der Wehrklimbim - ist Nebensache.

Zumindest in einer von Wolfgang Wurzer, dem Kommandanten der Lehrgruppe Verpflegungswesen in der Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne in Wien, kommandierten Streitmacht wäre das so: Tschechien, erzählte Hauptmann Wurzer Dienstagnachmittag, habe man seitens der USA dereinst wissen lassen, dass zuerst einmal die Verpflegung der Soldaten auf ein akzeptables Niveau angehoben werden müsse. Dann könne man weitersehen.

Kulinarische Gustostückerln aufführen

Wurzer seufzt. Sicher, das, was er und sein Teamchef Franz Krautsack da Dienstagnachmittag an kulinarischen Gustostückerln auffuhren, sei nicht von schlechten Eltern. Ohne einschlägige Qualitäten hätten Krautsack und er ja auch nicht jene Urkunden eingekocht, die hier die Wände zieren. Zahlreiche Gold-und Silbermedaillen haben Österreichs Heereshauben in den letzten Jahren erkämpft. Und vom 16. November an trete man nun in Luxemburg bei der Kochweltmeisterhaft "Expogast 2002" an: 15 Menüs werden eingereicht, eines wird gezogen - und muss vor Ort gekocht werden. Auf einer stinknormalen Feldküche. Sprich: Gulaschknone.

Warum Wurzer und Teamchef Krautsack seufzen? Weil sie wissen, was als nächste Frage kommt: Natürlich, erklären die beiden, könnten auch Österreichs Präsenzdiener in Haubenqualiät bekocht werden. Theoretisch. Eine reine Kostenfrage. Bei der WM darf ein Menü pro Person fünf Euro kosten. Im Bundesheer-Alltag muss es ein bisserl billiger gehen.

Manchmal träumen Wurzer und Krautsack davon, in der US-Armee zu kochen. Dort verfüttert man acht Euro pro Nase. So etwas motiviert. Und führt zur stärksten Armee der Welt. Rüstungsbudgets sind dann nebensächlich. Die Garnitur sozusagen. ( Thoams Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 31.10/1.11 2002)

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