Schweiz: Bilaterale Abkommen können Beitritt nicht ersetzen

30. Oktober 2002, 18:43
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Ex-Botschafter von Tscharner warnt: Ohne EU werde Schweiz "immer etwas verspätet nachfolgen"

Genf - Der frühere Schweizer Botschafter in Paris, Benedikt von Tscharner, hält bilaterale Abkommen nicht für einen Ersatz des EU-Beitrittes seines Landes. Man könne nicht die Regeln Europas auf bilateralem Weg neu erfinden, sagte der Diplomat am Mittwoch in Genf bei der Präsentation seines Buches "Profession: Ambassadeur". Nach seiner Meinung könne die Abwesenheit in der EU nicht durch individuelle diplomatische Schritte wettgemacht werden.

UNO könne nicht alles machen

Die Schweiz sei jetzt zwar UNO-Mitglied, die UNO könne aber nicht alles machen, sagte von Tscharner. Die Zukunft der UNO sei vielmehr abhängig von der Fähigkeit der Regionen, sich selbst zu organisieren, etwa bei der Konfliktprävention.

Wünscht sich aktiveres Vorgehen der Schweiz

Wenn die Schweiz den Weg nicht nach Europa finde, werde sie immer etwas verspätet nachfolgen, statt am europäischen Aufbau teilzunehmen, warnte von Tscharner. Der frühere Botschafter wünschte sich ein aktiveres Vorgehen der Schweiz, obwohl ein EU-Beitritt heute keine Mehrheit der Stimmbürger finden würde. Der Diplomat war von 1997 bis 2002 Botschafter in Paris gewesen. Zuvor war er unter anderem in Brüssel und Wien tätig. (APA/sda)

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