Ex-Irak-Koordinator wirft UNO Völkermord vor

30. Oktober 2002, 18:38
3 Postings

Sponeck: UNO-Sanktionen stärken Position von Saddam Hussein

München/Berlin - Der frühere UNO-Koordinator für den Irak, der Deutsche Hans Graf Sponeck, hat den Handelsboykott der UNO gegen Bagdad als Völkermord bezeichnet. "Unter dem Druck der USA, die Sanktionen aufrecht zu erhalten, nehmen die Vereinten Nationen an einem Genozid teil. Wer das weiß, macht sich schuldig", sagte der Ex-Diplomat dem "Münchner Merkur" (Donnerstag-Ausgabe).

131 von 1000 Kindern würden ihren fünften Geburtstag nicht erleben

Der Boykott habe einen "eklatanten Anstieg" der Sterblichkeit im Irak verursacht und sei nicht länger vertretbar. So erlebten dort nach Sponecks Angaben inzwischen 131 von 1000 Kindern ihren fünften Geburtstag nicht. Zudem stärken die harten Sanktionen nach den Worten des UNO-Koordinators die Position des irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Sie führten dazu, dass der Staat "eines der stabilsten Regime im Mittleren Osten geworden" sei.

Rät Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren

Sponeck betonte, er wolle die ernsthafte Bedrohung durch Saddam nicht in Frage stellen. Er sprach sich für eine Rückkehr der UNO- Waffeninspektoren in den Irak aus. Die gewonnenen Erkenntnisse über Massenvernichtungswaffen rechtfertigten jedoch keinen Krieg. Einige der angeblichen Produktionsstätten im Land seien nachweislich zerstört, jüngste Berichte amerikanischer und britischer Geheimdienste über das irakische Waffenpotenzial sind laut Sponeck falsch. "Weder George Bush noch Tony Blair haben Beweise für das, was sie behaupten." Sponeck war von 1998 bis 2000 UN-Koordinator für humanitäre Programme im Irak. (APA/dpa)

Share if you care.