Heißer Kampf um texanischen Senatssitz

30. Oktober 2002, 20:41
posten

Im Heimatstaat von Präsident George Bush geht mit Ron Kirk ein chancenreicher schwarzer Kandidat ins Rennen um den Einzug in den Senat

Die Trauerfeier am Dienstag für den bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Senator Paul Wellstone aus Minnesota wurde im Handumdrehen zu einer riesigen Wahlveranstaltung: Alles, was unter den Demokraten Rang und Namen hatte, war in Minneapolis anzutreffen - Expräsident Bill Clinton und seine Frau, die New Yorker Senatorin Hillary Clinton; Exvizepräsident Al Gore; die Senatoren Edward Kennedy, Tom Harkin und Tom Daschle. Und natürlich der Exvizepräsident Walter Mondale, der für die Demokraten in Minneapolis in die Bresche springen wird. Der amtierende republikanische Vizepräsident Dick Cheney hatte angeboten, ebenfalls zu kommen, die Familie Wellstone lehnte jedoch dankend ab.

Nur wenige Tage vor den heiß umkämpften "mid-term elections" zittern die Demokraten noch immer um ihre knappe Senatsmehrheit und setzen ihre besten Zugpferde strategisch ein, darunter auch Bill Clinton.

Auch die Republikaner werfen sich ins Zeug - mit dem Vorteil des populären amtierenden Präsidenten George W. Bush, der sich in den letzten zwei Wochen vor den Wahlen nahezu ausschließlich unterstützenden Auftritten für republikanische Kandidaten widmete.

Dass Bush sich dabei ganz besonders für Mitglieder des ohnehin republikanisch dominierten Repräsentantenhauses einsetzt, mag seinen Grund darin haben, dass hier die Chancen auf eine republikanische Mehrheit weit größer als als im Senat sind: Bleibt der Senat demokratisch, könnten die Demokraten weiterhin vom Weißen Haus als Verhinderer von Bushs Politik dargestellt werden.

Auch in Bushs Heimatstaat Texas gibt es heiße Kämpfe um den Senatssitz. Obwohl Bush während seiner Amtszeit als Gouverneur Lobeshymnen auf den damaligen Bürgermeister von Dallas und derzeitigen demokratischen Senatskandidaten, Ron Kirk, sang, unterstützt er nun den Republikaner John Cornyn. Sollte es dem Afroamerikaner Kirk gelingen, die schwarzen Minderheiten zu mobilisieren, könnte er als erster Schwarzer aus Texas in den Senat einziehen. Das große Fragezeichen sind mehr als ein Drittel aller Texaner, die Latinos, deren Wahlverhalten schwer vorherzusagen ist.

Kirk könnte von Sympathiestimmen für den demokratischen Gouverneurskandidaten von Texas, den Latino Tony Sánchez, profitieren, obwohl dieser in Umfragen um mehr als zehn Prozentpunkte hinter seinem republikanischen Gegner, Gouverneur Rick Perry, liegt. In Texas scheint weder der Irak noch der Kampf gegen den Terror entscheidend, sondern das Wahlverhalten der Minderheiten, die Wahlbeteiligung und die Loyalität zur jeweiligen Partei. Sollte die Parteitreue die anderen Faktoren überwiegen, bleibt Texas in republikanischer Hand - etwa vierzig Prozent der Texaner wählen traditionell die Republikaner und nur 33 Prozent die Demokraten. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1.11.2002)

Von Susi Schneider aus New York
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bill und Hilary Clinton und Joan und Walter Mondale (zweite Reihe) beim Gottesdienst für den bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Senator Paul Wellstone.

Share if you care.