Sonderzug für ein "anderes Europa"

30. Oktober 2002, 20:34
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Zug soll 500 Teilnehmer zum "Europäischen Sozialforum" nach Florenz bringen

Wien - Ein am 6. November in Wien losfahrender Sonder-"Zug für ein anderes Europa in einer anderen Welt" soll 500 Teilnehmer am "Europäischen Sozialforum" nach Florenz bringen. Insgesamt werden an die 1000 Österreicher am fünftägigen Treffen der Globalisierungskritiker teilnehmen, berichtet Mitorganisator Leo Gabriel.

Für den Lateinamerika-Experten Gabriel, der bereits im Jänner am großes Aufsehen erregenden "Weltsozialforum" im brasilianischen Porto Alegre teilgenommen hat, ist dieses erste Treffen der sozialen Bewegungen Europas eine logische Konsequenz. Bisher hätten dem neoliberalen Wirtschaftssystem kritisch gegenüberstehende Gruppen nur in ihren eigenen Ländern agiert.

Die Organisatoren betonen den Arbeitscharakter des Treffens im Konferenzzentrum Fortezza da Basso. Auf dem Programm stehen Hunderte Workshops und Seminare zu den drei Hauptthemen "Globalisierung und Neoliberalismus", "Krieg und Frieden" sowie "Demokratie, Grund-und Menschenrechte".

Neben Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie der globalisierungskritischen Attac sollen in Florenz auch so genannte "community based organizations" (CBOs) in Erscheinung treten, die bestimmte gesellschaftliche Gruppen repräsentieren. Aus Österreich sind dies u. a. die Hochschülerschaft, Teilorganisationen von Parteien (VSStÖ) und Kirchen (Pax Christi), aber auch Betriebsräte und Gewerkschafter.

Realpolitiker

Am Sozialforum in Florenz wollen sich Gewerkschaftsaktivisten der Eisenbahner, der Chemiearbeiter und vor allem der Privatangestellten beteiligen, berichtet Wolfgang Greif, Internationaler Sekretär der GPA. Ihnen gehe es vor allem darum, in der laufenden Reform der EU deren Gestaltung zu einer "Sozial- und Beschäftigungsunion" voranzutreiben. Es sei deshalb konsequent, wenn gewerkschaftliche "Realpolitiker" auch in den sozialen Bewegungen Verbündete suchten. (est/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1.11.2002)

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