EU-Projekt: Neue Antibiotika aus natürlichen Quellen

30. Oktober 2002, 17:33
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Forschungsgruppe geht der Frage nach, wie schwer kultivierbare Mikroorganismen die Produktion von Polyketiden regeln

Jena - Anfang November startet in der Nachwuchsgruppe "Bioorganische Synthese" am Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung (HKI) ein neues EU-Projekt. Ziel des Projekts "EUKETIDES-Eukaryotic Polyketides in Surrogate Hosts" ist es, ein Verständnis darüber zu erhalten, wie schwer kultivierbare Mikroorganismen die Produktion von so genannten Polyketiden regeln. Diese Naturstoffe haben als Medikamente gegen verschiedene Erkrankungen bereits große Bedeutung erlangt. Die Gewinnung der natürlichen Wirkstoffe kann aber schwierig sein, wenn die erzeugenden Organismen wie Algen, Flechten und Pilze schwer zu kultivieren sind.

Unter der Leitung von Christian Hertweck hat sich ein interdisziplinäres Team aus (Bio)chemikern, Genetikern, Molekularbiologen und Biotechnologen aus sechs europäischen Ländern (England, Finnland, Österreich, Island, Dänemark, Deutschland) zur Aufgabe gemacht, detaillierte Kenntnisse über die Polyketid-Biosynthese in Pilzen, Flechten oder Algen zu erwerben. Das Know-how wollen die Wissenschaftler später gezielt dazu nutzen, die wertvollen Substanzen in großem Maßstab herzustellen, zum Beispiel indem sie die genetische Information in leichter kultivierbare Organismen wie etwa Bakterien übertragen.

Insbesondere will das Team untersuchen, inwiefern sich mit biologischen und chemischen Methoden von bekannten Wirkstoffen Varianten mit veränderten und möglicherweise verbesserten Eigenschaften herstellen lassen. "Hierin steckt ein immenses Potenzial für die Entwicklung neuer Antibiotika, die synthetisch nur mit sehr großem Aufwand zu gewinnen sind", erläutert Hertweck. Darüber hinaus ist diese Technologie besonders umweltfreundlich, da natürliche Ressourcen geschont werden. Die EU unterstützt das Projekt mit insgesamt ca. zwei Millionen Euro. (pte)

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