Wurst-Prozess: Sachverständiger bestätigt Verhandlungsfähigkeit der Angeklagten

30. Oktober 2002, 17:19
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Fortschreitende Demenz zwar bei Wurst, aber bewusstseinsklar

Klagenfurt  - Im Prozess gegen den wegen Anstiftung zum Mord an seiner Gattin und wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angeklagten Kinderarzt Franz Wurst (82) wurde am Mittwoch der psychiatrische Sachverständige Professor Reinhard Haller einvernommen. Richter Wilfried Kirchlehner wollte von Haller wissen, ob die Verhandlungsfähigkeit Wursts und dessen Mitangeklagten Thomas H. noch gegeben sei. Nachdem Haller beide neuerlich untersuchte, stand fest: Sie sind verhandlungsfähig.

Gutachter Haller attestierte bei Wurst eine "fortschreitende Demenz", die aber noch nicht so schlimm sei, dass der angeklagte Kinderarzt der Verhandlung nicht mehr folgen könne. Wurst sei "depressiv und erschöpft", aber "bewusstseinsklar". Er wisse, was man ihm vorwerfe und er könne der Verhandlung folgen. Der ehemalige Kinderarzt hoffe auf ein rasches Ende des Prozesses.

Auf Antrag des Gerichts wurde auch der mitangeklagte Thomas H. einer neuerlichen psychiatrischen Untersuchung durch Haller unterzogen. Dieser leide zwar unter einem psychischen Belastungszustand und fühle sich von Wurst "gekränkt", aber er sei voll verhandlungsfähig, so Professor Haller.

Verteidigung hatte mit Gutachten Verhandlungsunfähigkeit untermauern wollen

Die Verteidigung von Primarius Wurst beantragte ein Gutachten durch einen Urologen und die Verlesung eines psychiatrischen Gutachtens, das die Verhandlungsunfähigkeit Wursts untermauern sollte. Das Gericht stimmte zu, dass eine Zusammenfassung dieses Gutachtens verlesen wurde. Der vermeintliche Trumpf der Verteidigung stach aber nicht: Auch dieses Gutachten bescheinigte Wurst Verhandlungsfähigkeit. Das Verfahren wird am Donnerstag um 13.00 Uhr mit der Einvernahme weiterer Zeugen fortgesetzt. (APA)

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