"USA haben beschlossen, in den Krieg zu ziehen"

30. Oktober 2002, 16:47
posten

Der ehemalige Waffeninspektor Scott Ritter bezweifelt, dass der Irak über Massenvernichtungs- waffen verfügt

Wien - "Wenn jemand behauptet, der Irak habe heute Massenvernichtungswaffen, müsste er demonstrieren, wie sie seit 1998 gebaut wurden. Denn damals gab es sie nicht. Es gab keine Möglichkeit, sie zu bauen." Dies sagte laut Ö1-Mittagsjournal vom Mittwoch der ehemalige UNO-Waffeninspektor Scott Ritter, der 1998 seine Funktion quittiert hatte und sich heute gegen einen US-Militärschlag gegen den Irak einsetzt. Der Amerikaner hielt am Mittwoch in Wien einen Vortrag mit dem Titel "Iraq - Alternatives to War and Embargo".

Ritter setzt sich auch vehement für eine Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren in den Irak ein, da dies der einzige Weg sei, um sichere Informationen über die tatsächliche Bewaffnung des Landes zu bekommen. "Es gibt Fotos von Anlagen, wo es heißt, unheimliche Dinge könnten dort passieren. Könnte sein. Wir bekommen die Antwort nur, wenn die Inspektoren wieder im Land sind", meinte er.

Ritter warnte auch davor, zu glauben, der US-Regierung gehe es nur um die Waffeninspektionen: "Die internationale Gemeinschaft ist gut beraten, wenn sie erkennt, dass die Regierung Bush nicht die Absicht hat, die UNO-Waffeninspektoren zurückzuschicken. Die USA haben leider beschlossen, in den Krieg zu ziehen."

Nichts als ein "luxuriöser Lebensstil"

Der Ex-Waffeninspektor hatte vor vier Jahren, kurz vor seinem Ausscheiden, gesagt, dass der Irak "bis zu 95 Prozent" frei von Massenvernichtungswaffen sei. Heute sagt der Ex-Waffeninspektor, er habe damals in den Palastanlagen des irakischen Diktators Saddam Hussein nur "den luxuriösen Lebensstil von Saddam" gesehen, "sonst nichts".

Scott Ritter leitete fast sieben Jahre lang eine der UNSCOM-Gruppen, die im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchten. 1998 quittierte er nach einem Streit seinen Dienst. Er warf damals der UNO und den USA vor, nicht mehr hinter dem Auftrag des Sicherheitsrates zu stehen. Im gleichen Jahr wurden auch die UNO-Waffeninspektoren aus dem Irak ausgewiesen. Heute gehört Ritter zu den schärfsten Kritikern einer US-Intervention im Irak. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Scott Ritter ist überzeugt, dass es den USA nicht um die Rückkehr der Inspektoren geht

Share if you care.