Russischer Geheimdienst verteidigt Gas-Einsatz

31. Oktober 2002, 17:54
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"Sprengsatz hätte alle Geiseln massakriert"

Moskau - Unter wachsendem Druck aus dem In- und Ausland hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB den Gas-Einsatz zur Beendigung des Moskauer Geiseldramas verteidigt: Die mit mehr als hundert Kilogramm Sprengstoff bewaffneten Tschetschenen hätten anderenfalls "alle ihre Geiseln massakriert", sagte der Vizedirektor des FSB-Instituts für Kriminalistik, Wladimir Jerjomin, am Donnerstag in Moskau.

Die Geiselnehmer hatten laut Jerjomin zwei große Metallbehälter mit je einer 152-mm Artillerie-Granate im Saal des Musical-Theaters platziert: einen im Parkett und einen auf dem Balkon. Beide Behälter seien miteinander verdrahtet gewesen. Außerdem sei das Geiselnehmerkommando im Besitz von 25 Sprengstoffgürteln mit jeweils zwei Kilo Sprengstoff und einem Kilo Stahlsplittern gewesen, die von mehreren Frauen getragen worden seien. Die Ermittler fanden laut Jerjomin außerdem 16 Granaten vom Typ F-1 und 89 selbst hergestellte Granaten.

Niemand hätte überlebt

"Selbst wenn nur die stärkste Bombe explodiert wäre, vergleichbar mit 20 Kilogramm des Sprengstoffs TNT, wären die Granatsplitter überallhin geflogen", sagte Jerjomin bei einer vom Fernsehen landesweit übertragenen Pressekonferenz. Niemand im Theatersaal hätte überlebt.

Acht Verletzte waren nach Angaben der Gesundheitsbehörde der russischen Hauptstadt in einem kritischen Zustand. Insgesamt 468 Ex-Geiseln seien entlassen worden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hätten weitere Geiseln gerettet werden können, wenn sie unmittelbar nach ihrer Befreiuung medizinisch versorgt worden wären. Bei der Erstürmung des Theaters war dem russischen Gesundheitsminister Juri Schewtschenko zufolge das Narkosemittel Fentanyl zum Einsatz gekommen. 119 Geiseln wurden insgesamt getötet. (APA)

Stichwort

Fentanyl

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    Detail einer Fentanyl-Verbindung

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