Türkei versage bei Wiederansiedlung Vertriebener

30. Oktober 2002, 15:05
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Human Rights Watch: Hunderttausende könnten auch nach Ende des Guerrilla-Kriegs der PKK nicht heimkehren

Istanbul - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat der Türkei Versagen bei der Wiederansiedlung von Hunderttausenden von Dorfbewohnern vorgeworfen, die während des Guerilla-Krieges der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Südosten der Türkei ihre Dörfer verlassen mussten. Die türkische Regierung, die Sicherheitskräfte und paramilitärische Dorfwächter behinderten ihre Rückkehr, kritisierte die in New York ansässige Organisation am Mittwoch in Istanbul.

Regierung solle Plan entwickeln

"Dieses Menschenrechtsproblem betrifft in der Türkei mehr Menschen als jede andere Menschenrechtsfrage", sagte Jonathan Sugden von Human Rights Watch. Schätzungen reichten von 380.000 bis zu einer Million. Die Organisation forderte die türkische Regierung auf, zusammen mit internationalen und Nichtregierungsorganisationen einen "transparenten" Plan zu entwickeln, "der den Vertriebenen wirksamen Schutz bietet und ihren Bedürfnissen entspricht." Andernfalls sei die internationale Gemeinschaft kaum dazu zu bewegen, Geldmittel und Sachkenntnis für Rückkehrprogramme beizusteuern.

Rückkehr nicht wagen

"Obwohl die offenen Feindseligkeiten seit 1999 aufgehört haben, scheint es, dass nicht mehr als zehn Prozent die Rückkehr gewagt haben", stellte Human Rights Watch fest. Nach Angaben des türkischen Innenministeriums sind in den vergangenen zwei Jahren rund 50.000 Menschen in ihre Dörfer zurückgekehrt.

Folgen von 15 Jahren Krieg

Human Rights Watch appellierte an die türkische Regierung, allen Vertriebenen die Rückkehr zu erlauben und dafür Sorge zu tragen, dass die Rückkehrer keinen Schikanen ausgesetzt seien. Das System der Dorfwächter müsse abgeschafft werden, die Infrastruktur auf Kosten des Staates mindestens wieder auf den Stand gebracht werden wie vor der Zerstörung der Dörfer. Der Guerilla-Krieg, der in 15 Jahren mehr als 30.000 Menschen das Leben gekostet hatte, war 1999 nach der Festnahme und Verurteilung von PKK-Chef Abdullah Öcalan zu Ende gegangen. Die gegen Öcalan verhängte Todesstrafe war in diesem Jahr in lebenslange Haft umgewandelt worden. (APA/dpa)

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