Bergdrama in Osttirol: Neunjähriger starb an Unterkühlung

30. Oktober 2002, 14:47
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Staatsanwaltschaft ermittelt - Der völlig erschöpfter Junge ist bei der Bergtour ums Leben gekommen

Innsbruck - Nach dem dramatischen Tod eines neunjährigen Buben im Osttiroler Dabertal in der Gemeinde Prägraten ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Der völlig erschöpfte und unterkühlte Tscheche war am Montag bei einer Bergtour ums Leben gekommen. Am Mittwoch wurde die Bergsteigergruppe von der Gendarmerie einvernommen.

Obduktion der Leiche

Der Vater des verstorbenen Buben sowie acht weitere Mitglieder der tschechischen Truppe wurden von den Beamten zu dem genauen Hergang des Unglücks befragt. Ursprünglich war von insgesamt zwölf Personen die Rede. Die Obduktion der Leiche habe ergeben, dass der Bub an Unterkühlung gestorben war. Nach Angaben der Gendarmerie wurde auch ein mögliches Fremdverschulden überprüft.

Geplant war eine viertägige Durchquerung mehrerer Täler

Die Gruppe war von St. Jakob durch das Trojeralmtal bis zur Reichenbergerhütte aufgestiegen. Geplant war eine viertägige Durchquerung mehrerer Täler im hinteren Virgen- bzw. Defreggental mit Ziel Hochgall. Der Bub wollte nach Angaben der Gendarmerie unbedingt den Gipfel erreichen, weil es sein erster Dreitausender war und er die Dolomiten sehen wollte. Durch den schwierigen Aufstieg infolge der enormen Schneehöhe und des steilen felsigen Geländes dürfte er jedoch völlig überfordert gewesen sein. Das Kind war beim Abstieg vom 3.173 Meter hohen Keesegg bereits erschöpft. Der 50-jährige Vater hatte sich daraufhin mit seinem Sohn von der Gruppe getrennt. Die übrigen Bergsteiger stiegen inzwischen weiter zum Rotenmanntörl auf.

Vater und Sohn wurden von einem Schneebrett mitgerissen

Im Bereich der Panaragenspitze wurden Vater und Sohn von einem Schneebrett etwa zehn Meter weit mitgerissen. Auf Grund des schlechten Zustandes des Buben und der unzureichenden Ausrüstung entschloss sich der Mann, in einer Höhe von 2.700 Metern die Nacht in offenen Schlafsäcken im Freien zu verbringen.

Am Montag früh hatte sich der Zustand des Buben weiter verschlechtert. Beim Abstieg zur Daberhütte gab das Kind kein Lebenszeichen mehr von sich. Der Mann ließ seinen Sohn im Schnee zurück und alarmierte die Rettung. Für den Neunjährigen kam jede Hilfe zu spät. (APA)

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