Achmed Sakajew - tschetschenischer Schauspieler und Rebellengeneral

30. Oktober 2002, 14:03
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Für Moskau "Terrorist" - Anderen gilt festgenommener Maschadow-Gesandter als "gemäßigt"

Moskau - Achmed Sakajew ist aus russischer Sicht ein Terrorist. Doch er steht für den gemäßigten Flügel des Widerstands in Tschetschenien, von dem noch am ehesten ein Einlenken in dem seit drei Jahren dauernden Krieg zu erwarten ist. Seit 2001 versucht er als "Sondergesandter" des im tschetschenischen Untergrund lebenden Präsidenten Aslan Maschadow, Kontakte ins Ausland anzuknüpfen.

"Diejenigen, die den schmutzigen, blutigen Krieg, der für Russland eine Schande ist, beenden wollen, haben verloren gegen die, die ihn fortsetzen wollen", klagte Sakajew im August bei Treffen mit russischen Abgeordneten in Liechtenstein und der Schweiz. Solche Kriegstreiber gebe es auf beiden Seiten.

Sakajew wurde 1959 in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan geboren. Stalin hatte das aufrührerische Bergvolk der Tschetschenen während des Zweiten Weltkriegs als angebliche Kollaborateure mit der Deutschen Wehrmacht nach Zentralasien deportieren lassen. Sakajew studierte Theater in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny und stand von 1981 bis 1990 als Schauspieler auf der dortigen Bühne.

In der Separatistenführung Tschetscheniens von Präsident Dschochar Dudajew wurde Sakajew 1994 Kulturminister. Doch als der Krieg ausbrach, nahm der Schauspieler die Waffe in die Hand. Der Mann mit dem für einen Tschetschenen unüblichen blonden Bart stieg bis zum "Brigadegeneral" der Rebellen auf. An der Seite Maschadows handelte er 1996 den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien aus.

Kurz nach Ausbruch des zweiten Tschetschenien-Kriegs im Herbst 1999 floh Sakajew verletzt ins Ausland. Im Herbst 2001, als die Russen ihn schon mit internationalem Haftbefehl suchten, erhielt er trotzdem freies Geleit für ein Treffen mit dem ranghohen Kreml-Vertreter und Ex-General Viktor Kasanzew in Moskau. (APA/dpa)

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