Flaue Stimmung in der "Firma Österreich"

30. Oktober 2002, 19:57
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Einer aktuellen Umfrage zufolge steigt die Pessimismus-Rate eklatant an - mit Infografik

Wien - 56 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen schauen mit Optimismus in die Zukunft. Dies ergab eine telefonische Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes market Mitte Oktober. Im März 2002 waren es noch 72 Prozent.

Die Indifferenz wurde größer: Jetzt sind 29 Prozent ausgewiesene Pessimisten, 15 Prozent unentschieden. Im Frühjahr waren es 19 und neun Prozent. Die Zahlen seien "alarmierend", sagte market-Chef Werner Beutelmeyer am Mittwoch bei einer der Präsentation der Umfrage, denn der Optimismus sei dafür verantwortlich, "ob der Umsatz der Firma Österreich stimmt". Der Umsatz korreliere auch mehr mit der allgemeinen wirtschaftlichen Situation als mit der politischen, dies zeige der Zusammenhang mit der Veränderung des Bruttoinlandsproduktes, so der Marktforscher weiter (siehe Grafik rechts).

Relativ stark optimistisch - nämlich 67 Prozent - waren die Befragten mit Matura oder Universitätsabschluss sowie die jüngeren - 66 Prozent. Die höchste Pessimismus-Rate fanden die Meinungsforscher bei der Generation 50 plus, nämlich 32 Prozent.

Das Stottern der Wirtschaft sei spürbar, sagt Beutelmeyer und weist damit den oft geäußerten Vorwurf à la "Nichtraunzer-Kampagne" zurück, wonach die veröffentlichte Meinung für das Stimmungsklima verantwortlich sei. market erhob, dass 60 Prozent der Befragten negative Auswirkungen der aktuellen Entwicklung "persönlich festgestellt" und/oder "von Verwandten/Bekannten davon gehört" hätten.

Megathema Jobs

Laut Beutelmeyer hätte sich weiters die "subjektive Befindlichkeit" der Österreicher und -innen verstärkt, wonach man sich "eher weniger leisten" können - 58 Prozent der Befragten befänden sich laut eigener Einschätzung in dieser Lage.

Das "Megathema" in den Köpfen der Österreicher überrascht angesichts der aktuellen Zahlen wenig (siehe auch Artikel unten): Man wünscht sich von einer kommenden Regierung vor allem die "Bekämpfung der Arbeitslosigkeit", 72 Prozent der Befragten gaben diesem Thema die Note "sehr wichtig". Es folgen die "Sicherung der Pensionen", die "Bekämpfung der Kriminalität" und die "Sicherung des Gesundheitssystems" (jeweils 65 Prozent). Am unteren Ende der Wunschliste an eine Regierung nach der Wahl am 24. November stünden laut market der "Abbau des Budgetdefizits" (39 Prozent) und "Österreich auf die EU-Erweiterung vorbereiten".

Die Sorge um die Arbeitsplätze schlägt sich offensichtlich auch in der Einschätzung des Projekts Erweiterung nieder: Im Juni 1998 etwa gaben 47 Prozent der Befragten an, ihr Arbeitsplatz sei durch die Erweiterung "sicher nicht gefährdet". Heuer im Oktober schrumpfte dieser Anteil der sich nicht Fürchtenden auf 35 Prozent.

Bei der Frage, ob Österreich als Land von der EU-Erweiterung profitieren werde, zeigt sich ein gespaltenes Bild: 48 Prozent sagen, die Nation würde "sehr" oder "eher" profitieren; 41 Prozent glauben, "eher weniger" werde der Fall sein, zehn Prozent gaben zur Antwort, Österreich werde "überhaupt nicht profitieren". Auch in dieser Frage zeigten sich höher gebildete Befragte optimistischer, beim Alter sah man weniger Differenzen. (szem/DER STANDARD Print-Ausgabe, 31.10.2002)

Im Frühjahr sahen noch 72 Prozent der Zukunft optimistisch entgegen, jetzt im Herbst sind es nur mehr 56 Prozent, erhob das market-Institut.
  • Stimmungsklima in Österreich

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    grafik: der standard

    Stimmungsklima in Österreich

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