Spesenfalle Sparbuch

31. Oktober 2002, 10:04
7 Postings

VKI schlägt Alarm: Gebühren bringen vor allem Kleinsparer um verdiente Zinsen - Vor den "Sparcards" wird gewarnt

Wien - Auch Sparbücher können zur Spesenfalle werden, warnt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) vor dem morgigen Weltspartag. Galt das gute alte Sparbuch bisher als kostenfreies Finanzprodukt, werden bei einzelnen Bankinstituten inzwischen verschiedenste Spesen verrechnet, die laut VKI unter Umständen die zurzeit ohnehin niedrigen Sparzinsen auffressen können.

Wie die Konsumentenschützer erhoben haben, wurde - neben den schon bislang existierenden Schließungsgebühren - der vor dem Euro-Zeitalter übliche Groschenausgleich bei Sparbuchabrechnung bei einigen Geldhäusern in einen Cent-Ausgleich umgewandelt, wobei nur abgerundete volle Beträge ausbezahlt werden. Nach Angaben des VKI kann das einen Verlust von bis zu 99 Cent ausmachen.

Ebenso sauer stößt den Konsumentenschützern auf, dass einzelne Banken nun auch für Sparbücher Kontoführungsgebühren in Rechnung stellen. Diese Gebühr wirke sich vor allem bei einfachen, täglich fälligen Sparbüchern (wegen der niedrigen Verzinsung von 0,125 bis 0,5 Prozent) negativ aus. Mit Spesen bis zu 3 Euro jährlich rentiere sich das Ansparen kleiner Beträge nicht, hält der VKI dazu fest. In dem Fall würde sich bei einem Sparbetrag von 400 Euro und einer angenommenen Verzinsung von 1 Prozent faktisch ein Nullzinsertrag ergeben.

Vor allem die heftig beworbenen "Sparcards", die meist mit besonderen Zinszuckerln locken, sieht der VKI gespickt mit verschiedensten Spesen: Je nach Institut werden zum Beispiel Buchungsposten, höhere Schließungskosten als bei herkömmlichen Sparprodukten, aber auch Kosten für Zweitkarten und Kartennachbestellungen verrechnet. "Hier scheint ein Spesenkarussell in Schwung zu kommen wie bei den ursprünglich spesenfreien Girokonten", kritisieren die Konsumentenschützer in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Anlässlich des Weltspartages fordert der VKI von den Banken, dass Sparprodukte grundsätzlich kostenfrei bleiben sollten: "Es ist nicht einzusehen, dass den Banken Geld zur Verfügung gestellt wird, für das die Sparer kaum Zinsen bekommen, die dann noch von den Spesen aufgefressen werden." Wünschenswert seien zudem klare Regelungen für Zinsanpassungen bei variabel verzinsten Sparbüchern. Zinssatzänderungen müssten für den Verbraucher klar an objektiven Maßstäben nachvollziehbar sein und dürften nicht der Willkür der Banken unterliegen. (APA)

  • Hier ein Prozent, und da ein Prozent ... und schon sind die Zinsen futsch.
    montage: derstandard.at

    Hier ein Prozent, und da ein Prozent ... und schon sind die Zinsen futsch.

Share if you care.