Keine Einigung zwischen Japan und Nordkorea

30. Oktober 2002, 12:57
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Verhandlungen über Streit um Atomwaffenprogramm und Rückkehr entführter Japaner enden ohne Durchbruch

Kuala Lumpur - Die Gespräche zwischen Nordkorea und Japan über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sind am Mittwoch ohne Durchbruch zu Ende gegangen. Über die von Japan zur Vorbedingung gemachten Forderungen wurde auch am zweiten und letzten Tag der Verhandlungen in Malaysia keine Einigung erzielt. Japan fordert die Einstellung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms und die dauerhafte Rückkehr von fünf Japanern, die vor Jahrzehnten nach Nordkorea entführt worden waren.

Zunächst war nicht bekannt, ob eine weitere Gesprächsrunde in Planung ist. Beide Seiten hätten unterschiedliche Auffassungen über den Weg zur Normalisierung der Beziehungen, erklärte der nordkoreanische Delegierte Pak Ryong Yeon nach dem Ende der Gespräche. Er kritisierte die japanische Haltung, das Ende des Atomwaffenprogramms sowie die Rückkehr der entführten Japaner zur Bedingung für Fortschritte zu machen.

Nordkorea betonte in den Gesprächen seine Bitte um wirtschaftliche Hilfe und seine Forderung nach Entschädigung für Verbrechen während der japanischen Kolonialherrschaft zwischen 1910 und 1945. Der japanische Verhandlungsleiter Katsunari Suzuki zeigte sich enttäuscht vom Ergebnis des Treffens. "Leider sahen wir keine Flexibilität in der Position (Nordkoreas)", sagte er in Hinblick auf die Rückführung der entführten Japaner.

Nordkorea hält an Atombombenprogramm fest

Bereits am ersten Verhandlungstag in Kuala Lumpur hatte Nordkorea auch deutlich gemacht, trotz internationaler Kritik an seinem Programm zur Entwicklung einer Atombombe festhalten zu wollen. Dass Japan den Verzicht auf Atomwaffen zur Vorbedingung für die Normalisierung der Beziehungen und für mögliche Nahrungsmittelhilfe machte, begrüßte US-Außenminister Colin in Washington. "Ich denke, das ist die richtige Antwort", sagte er. Zugleich forderte Powell Nordkorea auf, sein Atomwaffenprogramm sofort einzustellen, auch mit Rücksicht auf die eigene Bevölkerung. "Kein nordkoreanisches Kind kann angereichertes Uran essen", sagte Powell.

Bei dem japanisch-nordkoreanischen Treffen in der malaysischen Hauptstadt handelte es sich um die ersten derartigen Gespräche seit zwei Jahren. Sie waren Mitte September während eines historischen Gipfeltreffens des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi in Pjöngjang vereinbart worden.

Bei diesem Treffen gab Kim erstmals die Entführung von 13 Japanern zu, die in Nordkorea Spionen die japanische Sprache und Lebensweise beibringen sollten. Von diesen in den 70er und 80er Jahren entführten Japanern sind nur noch fünf am Leben. Diese durften vor zwei Wochen erstmals in ihr Heimatland zurückkehren. Die mit Nordkorea vereinbarte Rückreise nach Pjöngjang kam bisher aber nicht zustande. Japan verlangt stattdessen, dass auch die Familien der fünf Japaner ausreisen dürfen. (APA/AP)

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