Süß, beliebt und giftig: Weintrauben

30. Oktober 2002, 20:12
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Global 2000 ermittelte "alarmierende" Pestizid-Belastung von Weintrauben

Wien - Je nach Jahreszeit wechseln die Obst-und Gemüsesorten - gleich bleibt der Skandal: Rückstände von nicht weniger als zwölf verschiedenen Pestiziden wurden in Chargen der süßen, kernlosen Sultanas-Weintrauben aus der Türkei gefunden, die in Supermärkten in großen Mengen über die Budel gehen.

Neun verschiedene Gifte ermittelten Tester im Auftrag der Umweltorganisation Global 2000 in blauen Weintrauben aus Italien. "Ein 13,5 Kilo schweres Kind - das so genannte Normkind - kann davon genau fünf Beeren essen", erläutert der Global-2000-Lebensmittelexperte Klaus Kastenhofer. Jede weitere Beere führe dem kindlichen Organismus mehr Gifte zu, als es der "Acceptable Daily Intake" (Adi) vorsehe: Jene Rückstandsmenge, die mit der Nahrung täglich und ein Leben lang aufgenommen werden könne, ohne gesundheitliche Schäden zu verursachen.

Bedenklich darüber hinaus sei, dass in den italienischen Weintrauben auch "das von der Weltgesundheitsorganisation WHO als extrem giftig eingestufte Parathion" gefunden wurde. Überhaupt - so Kastenhofer - stelle sich jetzt heraus, dass "der zuständige Minister Herbert Haupt trotz mehrerer Pestizidskandale keine Maßnahmen getroffen hat, um die Konsumenten zu schützen".

SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima und die stellvertretende Grünen-Parteivorsitzende Eva Glawischnig teilen diese Ansicht. Anders Christine Weber, Direktorin der Ernährungsagentur: Der Adi, so meinte sie, sage wenig über die wirkliche Gefährlichkeit von Pestizidrückständen aus. "Allein der Non-Effect-Level, unter dem keine akuten Beeinflussungen eines Organismus nachweisbar sind, ist 10.000-mal höher". (bri, DER STANDARD Printausgabe 31.10/1.11 2002)

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