OMV baut Schwechat kräftig aus

30. Oktober 2002, 17:07
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Um den Standort abzusichern, investieren OMV und Borealis bis 2005 rund 200 Millionen Euro - Neues Kunststoffwerk in Abu Dhabi

Der OMV-Raffinerie in Wien- Schwechat steht im Petrochemiebereich ein neues massives Investitionsprogramm ins Haus. Bis 2005 soll die Kapazität um 300.000 Tonnen erhöht werden. Für diese Anlage, die die Kohlenstoffketten zur Herstellung der Vorprodukte für Kunststoff zerbricht, will die OMV selbst rund 100 Mio. Euro auf den Tisch legen, für den Bau einer neuer Verarbeitungsanlage soll der Plastikriese Borealis, an dem die OMV 25 Prozent hält, weitere 100 Mio. Euro beisteuern. Für das Okay zum Ausbau fehlt nur noch das grüne Licht des Aufsichtsrats, wegen der langen Bauzeit muss es aber bald erfolgen.

Grund für die Investitionspläne: "Ohne weitere Ausbauten ist die dauerhafte Absicherung des Standortes gar nicht denkbar", sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer vor österreichischen Journalisten in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Zu der bestehenden Kapazität von 750.000 Tonnen (inklusive der OMV-Raffinerie im bayerischen Burghausen) würden aber nur geschätzte 150.000 bis 200.000 Tonnen dazukommen, weil dafür eine Altanlage stillgelegt würde.

OMV-Kunststoffvorstand und Borealis-Aufsichtsratschef Gerhard Roiss bestätigt bei der mit arabischem Pomp und Zeremoniell gefeierten Eröffnung der rund 1,3 Mrd. Euro teuren Kunststoffanlage Borouge (240 Kilometer westlich von Abu Dhabi) die Ausbaupläne in Österreich. Größere Anlagen seien nämlich gerade in der extrem zyklischen Kunststoffindustrie nötig, um höhere Kostenvorteile zu realisieren, gerade in einem reifen Markt wie Europa.

Zukunft Kunststoff

Hauptstoßrichtung der Expansion der Plastikmacher sei aber Asien, besonders China. In Fernost wachse die Nachfrage nach Kunststoffen für Verpackungen und höherwertigen Produkten (Spezialtextilien und Zubehör für die Autoindustrie wie Stoßstangen und Armaturen) um zwei bis drei Prozent stärker als die Wirtschaft. "China ist zum größten Kunststoff-Importmarkt der Welt geworden", erläuterte Roiss.

Auch andere Golfstaaten wollen mit neuen Kunststoffanlagen massiv aufrüsten. "Im Mittleren Osten werden in den nächsten drei bis vier Jahren 40 Prozent aller Petrochemieinvestments getätigt werden", so der Borealis-Aufsichtsratschef. Dabei gehe es um 15 Mrd. Euro. Dennoch ist er für Borouge (40 Prozent Borealis, 60 Prozent die nationale Ölgesellschaft von Abu Dhabi, Adnoc) nicht bange: Die Anlage habe zwei Vorteile, nämlich den billigen Rohstoff, sprich aus Gas gewonnenes Ethan, sowie die von Borealis entwickelte Technologie.

Mit Borouge soll zugleich die Achse zwischen dem heimischen Ölkonzern und den Abus vertieft werden. Die Investmentgesellschaft der Emirate, IPIC, hält rund 20 Prozent an der OMV, 35 Prozent die ÖIAG. Eine Abschichtung des syndizierten Anteils der zwei Partner auf 45 Prozent sei möglich, eine Mehrheit kein Credo, dies hänge vom Willen der neuen Regierung ab, sagte OMV-Aufsichtsrat Rainer Wieltsch. Allerdings bestehe die Gefahr einer Übernahme, sollten ÖIAG und IPIC auf unter 50 Prozent zurückfallen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 31.10.2002)

Clemens Rosenkranz aus Abu Dhabi
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