Alcatel taumelt weiter in die Krise

30. Oktober 2002, 13:21
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Französischer Telekom-Ausrüster muss Nettoverlust von 1,352 Milliarden Euro eingestehen

Paris - Der französische Telekomausrüster Alcatel hat im dritten Quartal wegen hoher Restrukturierungskosten und Rücklagen den Verlust überraschend deutlich ausgeweitet. Der Konzern kündigte aber an, 2003 zumindest auf operativer Ebene wieder in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen.

Der Nettoverlust sei auf 1,352 Mrd. Euro von minus 558 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte Alcatel am Mittwoch in Paris mit. Analysten hatten 660 Mill. Euro erwartet. Operativ verbuchte Alcatel einen Verlust von 227 Mill. Euro und überraschte damit die Experten, die ein etwas höheres Minus prognostiziert hatten. Der Aktienkurs stieg wegen des optimistischen Ausblicks um mehr als 20 Prozent.

Alcatel-Finanzdirektor Jean-Pierre Beaufret begründete den deutlich höheren Fehlbetrag mit Kosten für den drastischen Stellenabbau sowie Rückstellungen über insgesamt mehr als eine Milliarde Euro. Mit den Rücklagen trage der Konzern Finanzproblemen seiner Kunden und Wertverlusten bei Beteiligungen Rechnung.

Trotz des "besonders schwierigen Marktumfelds" habe sich die Finanzlage des Unternehmens im dritten Quartal verbessert, erklärte Alcatel-Chef Serge Tchuruk. Die fixen Kosten seien im Vergleich zum Vorquartal um zehn Prozent und zum Vorjahr um 26 Prozent gefallen. Für das vierte Quartal erwartet Tchuruk eine Verbesserung des operativen Ergebnisses, wenn keine weiteren Abschreibungen oder Rückstellungen nötig werden sollten. Der Umsatz werde wegen des traditionell starken Jahresend-Geschäfts zum Vorquartal zweistellig wachsen. Zudem rechne Alcatel bis zum Jahresende mit Nettoschulden von weniger als zwei Mrd. Euro. Bisher hatte der Telekom-Ausrüster 2,6 Mrd. Euro angepeilt.

Der zuversichtliche Ausblick führte zu einem Kursanstieg der Alcatel-Aktien von mehr als 20 Prozent auf 4,45 Euro an einem fester tendierenden Pariser Aktienmarkt. In den vergangenen zwei Jahren haben die Titel allerdings insgesamt 95 Prozent an Wert verloren und damit mehr als andere Papiere der Branche.

Angesichts der weltweiten Investitionsflaute im Telekommunikationssektor haben auch Alcatels Konkurrenten wie Lucent und Nortel in den abgelaufenen Quartalen hohe Verluste erlitten und zudem ihre Prognosen gesenkt. Um der Branchenschwäche zu begegnen, kündigte Alcatel im vergangenen Monat weitere 20.000 Stellenstreichungen an. Damit dürfte die Zahl der Mitarbeiter bis Ende 2003 auf 60.000 von 83.000 zum Ende des vergangenen Jahres zurückgehen. (APA/Reuters)

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    montage: derstandard.at
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