Fentanyl

30. Oktober 2002, 10:46
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Laut US-Angaben wurde synthetisches Heroin als Gas bei Moskauer Geiseldrama eingesetzt

Wien - Nach Angaben des US-Botschafters in Moskau, Alexander Vershbow, wurde von den russischen Sicherheitskräften bei der Befreiung der Geiseln aus den Händen eines tschetschenischen Kommandos ein Opiat namens Fentanyl in Form eines Gases eingesetzt. Die chemisch mit dem Suchtgift Heroin verwandte Substanz hat nach Angaben aus dem Internet eine starke schmerzlindernde Wirkung, daneben aber auch eine stark dämpfende Wirkung auf das Atemsystem. Fentanyl wird bei operativen Eingriffen als Narkosemittel verwendet.

Die Wirkungsdauer von Fentanyl ist im Vergleich mit den anderen Opioiden nur kurz. Eine wichtige Nebenwirkung ist die Atemdepression, also die herabgesetzte Ansprechbarkeit des Atemzentrums. Zusätzlich kann es zu Krämpfen der Muskulatur in den Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse kommen. Außerdem kann Fentanyl eine harnverhaltende Wirkung auslösen. Hierbei kommt es zu einer verkrampften Schließmuskulatur der Harnblase, die eine Blasenüberfüllung verursachen kann.

Streckmittel für Heroin

Weitere Nebenwirkungen von Fentanyl sind Sehstörungen, Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen und verminderter Sexualtrieb. Außerdem kann die Anwendung von Fentanyl zu Überempfindlichkeitsreaktionen, Schwächeanfällen bis zum Ohnmachtsanfall und zu Herzversagen führen. In seltenen Fällen kann bei vorbelasteten Patienten ein Asthmaanfall ausgelöst werden.

Fentanyl wird auch bei chronischen Schmerzen angewendet, die nur mit starken Schmerzmittel ausreichend behandelt werden können. Es wird in Form von Fentanyl-Pflastern eingesetzt.

Fentanyl wird außerdem in zunehmendem Maße illegal als Streckmittel für minderwertiges Heroin genutzt, da es die selben Eigenschaften wie alle Opiate hat, jedoch um den Faktor 10 bis 7500 stärker ist als Heroin. Das Mittel hat sowohl eine Bewusstseinstrübung als auch stark anästhesierende Wirkung. Werden zusätzlich zu der Gabe von Fentanyl andere Substanzen mit einer dämpfenden Wirkung auf das zentrale Nervensystem verabreicht, kann es zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung kommen. Das Gleiche gilt, wenn neben einer Behandlung mit Fentanyl Alkohol konsumiert wird.

Fentanyl unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Gegenmittel sind Naloxon, Narcanti und Lorfan.

Seitens der russischen Behörden gibt es noch keine offiziellen Angaben darüber, welches Gas 115 von den rund 800 Geiseln des tschetschenischen Kommandos getötet hat. Die Geheimhaltungspolitik Moskaus wurde in Russland und international kritisiert. Zu den Todesopfern des Gaseinsatzes gehört auch ein 43-jährige Österreicherin. (APA)

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