Drei Milliarden Euro Finanzspritze für Fiat in Sicht

30. Oktober 2002, 10:44
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General Motors wird zur Kasse gebeten - Turiner Autogruppe stellt Resultate des dritten Quartals vor

Turin - Bei der morgen Donnerstag geplanten Aufsichtsratssitzung soll der krisengeschüttelte italienische Autokonzern Fiat eine lebensnotwendige Finanzspitze erhalten. Nach Angaben der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" könnten die Aktionäre der Gruppe eine Kapitalaufstockung in Höhe von drei Mrd. Euro beschließen, die Fiat neuen Sauerstoff verleihen würde. Bei der Kapitalaufstockung sollte der amerikanische Fiat-Partner General Motors (GM) eine entscheidende Rolle spielen.

Indiskretionen zufolge könnten die Finanzmittel dank einer Emission von Seiten der niederländischen Gesellschaft Fiat Auto Holding aufgetrieben werden. Die Gesellschaft ist nicht börsennotiert und könnte mit weniger Aufwand die Kosten der Emission übernehmen. Die Kapitalaufstockung ist für Fiat notwendig, um eine Deklassierung der Fiat-Aktien auf das Niveau von "Junk Bonds" zu vermeiden. Ohne eine kräftige Finanzspritze, die Fiat den Abbau des Schuldenbergs von 6,6 Mrd. Euro ermöglichen soll, werde es kaum möglich sein, das heutige Rating (BAA3) zu verteidigen, betonten Experten.

Aufsichtsrat will Verkauf nicht-strategischer Töchter fortsetzen

Der Aufsichtsrat von Fiat, der am Donnerstag die Ergebnisse des dritten Quartals 2002 vorstellen wird, will inzwischen den Verkauf nicht-strategischer Töchter fortsetzen. Eine 51-prozentige Beteiligung am Fiat-Finanzarm Fidis wird den Gläubigerbanken des Turiner Konzerns verkauft. Ausländische Investmentfonds sind an dem Turiner Anlagenbauer Comau interessiert. Der amerikanische Fonds Carlyle will die Tochter Fiat Avio erwerben. Bis Jahresende soll die Veräußerungsstrategie des Fiat-Geschäftsführers Gianfranco Boschetti 3,6 Mrd Euro in die Kassen des Konzerns bringen.

Die Konjunktur bleibt für die Autoindustrie weiterhin schwierig. Experten schätzen, dass der Fiat-Verlust im dritten Quartal zwischen 300 und 350 Millionen Euro betragen sollte. Die Fiat-Belegschaft bangt weiterhin um die gefährdeten Arbeitsplätze. Weitere Protestkundgebungen sind in den nächsten Tagen geplant. Die Belegschaft kann mit der Unterstützung der Regierung Berlusconi rechnen. Das Kabinett Berlusconi wirft Fiat vor, keine klare Strategie für einen Neubeginn des Unternehmens zu haben. Der Konzern plane zwar einen massiven Stellenabbau, die Strategie für die Zukunft bleibe aber nach wie vor nebulos.(APA)

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