"OMV ist Übernahmekandidat"

30. Oktober 2002, 12:26
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ÖIAG-Vorstandsdirektor Wieltsch: Wenn ÖIAG/IPIC-Mehrheit unter 50 Prozent fällt - Kapitalerhöhung steht aktuell jedoch nicht an

Abu Dhabi - ÖIAG-Vorstandsdirektor Rainer Wieltsch sieht für den österreichischen Öl-, Gas- und Chemieriesen OMV die Gefahr einer möglichen Übernahme, sollten die Verstaatlichten-Holding ÖIAG und die International Petroleum Investment Company of Abu Dhabi (IPIC), die zusammen knapp 55 Prozent an der OMV halten, auf unter 50 Prozent zurückfallen, etwa weil sie bei einer Kapitalerhöhung nicht mitziehen.

Zu konkreten Überlegungen in Bezug auf die OMV hielt sich Wieltsch bei einem Hintergrundgespräch mit OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) anlässlich der Inauguration des Chemiewerks Borouge in Ruwais allerdings bedeckt. Die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung - die, wie Ruttenstorfer betont, aktuell nicht ansteht - bzw. eines allfälligen Mitziehens werde geprüft und die Vorgangsweise auch mit IPIC abgestimmt. Die ÖIAG hält 35 Prozent an der OMV, die IPIC 19,6 Prozent.

Kernaktionäre "absolute Stärke"

OMV-Chef Ruttenstorfer sieht die Kernaktionäre ÖIAG und IPIC als "absolute Stärke" seines Unternehmens, "die uns Stabilität geben". Die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht, da die Investitionen - geplant 2,7 Mrd. Euro binnen drei Jahren - primär und zu einem Gutteil aus dem Cash-Flow finanziert werden könnten, der heuer etwas unter den rund 750 Mill. Euro des Vorjahres liegen werde.

Kapitalaufstockung erst als letztes Mittel

Eine Kapitalaufstockung wolle man erst als letztes Mittel heranziehen - die OMV mit derzeit 27 Mill. Aktien verfügt noch über weitere 8 Mill. Aktien Kapitalrahmen. Davor könne auch noch die derzeit unter 20 Prozent liegende Gearing-Rate vorübergehend sogar über 40 Prozent angehoben werden, mittelfristig peile man 30 Prozent Verschuldungsgrad an, so Ruttenstorfer. Von der mit internationalen Banken vereinbarten Kreditfazilität über 500 Mill. Euro habe die OMV erst zirka 100 Mill. "aufgesogen".

ÖIAG-Vorstand Wieltsch wartet nun in Sachen Verstaatlichten-Kurs auf ein Positionspapier der neuen Bundesregierung, die sich nach den Wahlen am 24. November bilden wird. Das für das bisherige schwarz-blaue Kabinett erstellte Konzept habe auf Abverkauf bzw. Wertsteigerung gesetzt. Ein Abgehen davon sei nur in Ausnahmefällen vorgesehen gewesen, etwa eine Kapitalerhöhung bei einem Beteiligungsunternehmen mitzumachen, damit die Anteile gewahrt bleiben, oder ein temporärer Zukauf im Zusammenhang mit einer Sanierung. Das Wertsteigerungsmandat werde für jedes einzelne Unternehmen "mitgedacht", zudem behalte man den Kapitalmarkt im Auge, ob es eine gute Ausstiegsmöglichkeit, ein "Window of opportunity", gebe. Die Marschorder, "wo es wirklich hingeht", müsse aber die Wirtschaftspolitik entscheiden, so der ÖIAG-Vorstand.(APA)

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