Serie von Bombenexplosionen erschüttert Soweto

30. Oktober 2002, 13:54
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Behörden ermittlen im rechtsmilitanten Milieu - Eine Frau getötet

Serie von Bombenexplosionen erschüttert Soweto - Tagesmeldung Eine Tote - Moschee und Bahnhöfe beschädigt - Anschlag auf Pagode in Pretoria

Soweto - Eine Serie von Bombenexplosionen hat in der Nacht zum Mittwoch die Johannesburger Vorstadt Soweto erschüttert. Eine 42-jährige Frau wurde nach Angaben der Polizei getötet, ihr 51 Jahre alter Mann schwer verletzt. Eine Moschee sowie mehrere Bahnhöfe und -strecken wurden beschädigt. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Präsident Thabo Mbeki verurteilte die Anschläge als einen kriminellen Akt von Leuten, die "versuchen, eine Terror-Serie in diesem Land zu starten". Es würde ihnen nicht gelingen, Südafrikas Einheit zu zerstören.

Behörden ermitteln in rechts-militanten Kreisen

Die Behörden ermittelten nach Angaben der Regionalregierung, ob rechtsgerichtete militante Gruppen hinter den Explosionen stehen könnten. Der südafrikanische Sicherheitsminister Charles Nqakula betonte jedoch, die Ermittlungen zögen alle Möglichkeiten in Betracht. Bei den Verantwortlichen müsse es sich um Fachleute handeln, erklärte Nqakula.

Die erste Bombe riss nach Polizeiangaben ein Loch in eine Moschee, die nächsten Explosionen ereigneten sich an Bahnhöfen und entlang der Bahnstrecke nach Johannesburg. Insgesamt seien um Mitternacht neun Sprengsätze detoniert, ein weiterer sei an einer Tankstelle gefunden und entschärft worden. "Wäre er explodiert, hätte er verheerende Schäden verursacht", erklärte Nqakula.

"Unser vorrangiges Ziel ist es, diese Elemente zu stoppen und vor Gericht zu bringen", sagte Justizminister Penuell Maduna. Er gab zugleich eine weitere Explosion in einem buddhistischen Tempel östlich der Haupstadt Pretoria bekannt, bei der zwei Personen verletzt wurden. Es sei aber unklar, ob sie im Zusammenhang mit den neun Explosionen in Soweto stehe.

Zwei Weiße am Tatort gesehen

Nach Angaben eines hochrangigen Polizeioffiziers wurde Sprengstoff verwendet, wie er im Bergbau eingesetzt wird. Zwei verdächtige Weiße seien nahe dem Ort der ersten Explosion gesehen worden.

Die Polizei wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Sicherheitskräfte sperrten für die Ermittlungsarbeiten zahlreiche Straßen ab. Eine Sprecherin der Bahngesellschaft Metrorail erklärte, anscheinend habe es der Bombenleger auf Bahnverbindungen abgesehen. Für die Pendler aus dem 1,5 Millionen Einwohner großen Township nach Johannesburg sollten Busse eingesetzt werden.

Polizeiangaben zufolge handelte es sich um den ersten derartigen Vorfall in Soweto. Das als Symbol für den Kampf gegen die Rassentrennung international bekannt gewordene Township wird weitgehend von Schwarzen bewohnt. Südafrikas Öffentlichkeit war erst vor wenigen Wochen durch die Funde von Waffendepots weißer Umstürzler aufgeschreckt worden. Sie wurde allerdings als isolierte Gruppe von Einzelgängern eingestuft. Ein hochrangiger Polizeioffizier beschuldigte sie im Parlament in Kapstadt, hinter den Anschlägen zu stehen. (APA/AP/dpa/Reuters)

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