Kirchenspitze bedauert Knolls Entscheidung

29. Oktober 2002, 20:41
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Bischof Sturm: Viele Impulse kamen von ihr

Wien - "Frau Mag. Knoll scheidet ab sofort aus dem Dienst der Evangelischen Kirche aus. Ab sofort ist ihre politische Tätigkeit ihre höchstpersönliche Angelegenheit." In einer Erklärung nahm die evangelisch-lutherische Kirchenleitung zur Kandidatur von Gertraud Knoll im SP-Team am Dienstag Stellung.

Erst in der Früh war der evangelische Bischof Herwig Sturm über die Entscheidung der - nun ehemaligen - burgenländischen Superintendentin informiert worden. Ob er ihr zugeraten hätte? Sturm zum STANDARD: "Dadurch, dass sie uns nicht eingeweiht hat, hat sie diese Frage umschifft."

Eine Karenzierung - wie bei Knolls Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten - sei in diesem Fall allerdings nicht möglich, sagte Sturm. "Ich bedaure ihre Entscheidung, weil sie der evangelischen Kirche viele Impulse gegeben hat".

Sowohl für die evangelische als auch für die römisch-katholische Weltkirche ist ein politisches Amt mit einem kirchlichen unvereinbar. Den katholischen Priestern verbietet das Kirchenrecht grundsätzlich jedes politische Engagement. Katholische Priester sind auf Lebenszeit geweiht. Evangelische Geistliche sind hingegen nur auf Zeit in ein Amt gewählt. Sie werden zwar auch "ordiniert" (geweiht), was aber nur eine grundsätzliche Befähigung zur Ausübung eines kirchlichen Amtes bedeutet. Sie können ihr Amt jederzeit zurücklegen und sind dann in jeder Hinsicht wieder ganz gewöhnliche Christen.

Dass das parteipolitische Engagement Knolls dem Ansehen der Kirche schade, glaubt Sturm nicht. Ihr soziales Engagement sei schon bisher bekannt gewesen. Kritisch äußerte sich die "Plattform evangelischer Christen des Burgenlandes". Man sehe "eine Bestätigung dafür, dass die Superintendentin ihr Amt in der Kirche mehr oder weniger als Sprungbrett in die Politik missbraucht hat". Bischof Sturm verteidigt Knoll gegen diesen Vorwurf: "Was diese Plattform sagt, ist falsch. Knoll hat ihr Amt mit großer Sorgfalt ausgefüllt." Die Plattform sei parteipolitisch gefärbt und dieser Angriff "schlicht Wahlkampf". Die Stelle der Superintendentin wird jetzt neu ausgeschrieben. (Peter Mayr/DER STANDARD, Printausgabe 30.10.2002)

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