Der Krebs und nicht das Gift

29. Oktober 2002, 20:23
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Forscher wollen Arsen-Theorie zu Napoleons Tod widerlegt haben

Paris - Jahrzehntelang hielten Haarbüschel Napoleons Historiker auf Trab. Des Kaisers Haar, so zeigten etliche Studien, enthielt große Mengen Arsen. Napoleon Bonaparte, folgerten Wissenschafter, musste also am 5. Mai 1821 im Exil auf St. Helena Opfer eines Mordes geworden sein. Was die französische Monatszeitschrift Science et Vie in ihrer Novemberausgabe nun zu widerlegen sucht. Der Magenkrebs soll's gewesen sein, nicht das Gift. Denn das Arsen sei von außen aufgetragen worden - zwecks Konservierung.

Bisher waren zig Mordtheorien aufgestellt worden: Ben Weider, Präsident der Internationalen Napoleon-Gesellschaft, ging davon aus, dass der Feldherr mit 51 Jahren Opfer einer schleichenden Vergiftung geworden sei. Am Ende seien ihm Bittermandelmilch und ein Abführmittel verabreicht worden, die sich im Magen zu Blausäure vermischt hätten. Hinter dem Mord wären die Wächter auf der Insel gestanden oder französische Royalisten. Der Wissenschafter René Maury wiederum war überzeugt, der ebenfalls nach St. Helena verbannte Graf von Montholon habe Napoleon aus Rache vergiftet, weil seine Frau nach einer Liebschaft mit dem Exkaiser ein Kind erwartet habe. Andere verdächtigten Inselgouverneur Hudson Lowe.

Für Science et Vie untersuchten französische Forscher 19 Haare Napoleons erneut. Und sie wollen bewiesen haben, dass Napoleon das Gift nicht selbst eingenommen haben konnte: "Arsenik" sei über 15 Jahre hinweg auf der ganzen Länge der Haare gleichmäßig verteilt worden: Das Mittel diente im 19. Jahrhundert zur Schädlingsbekämpfung und zum Konservieren etwa von Fellen.

Für Napoleon, dessen Leichnam in einem Sarg im Pariser Invalidendom liegt, bliebe damit nur die offizielle Todesursache Magenkrebs übrig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 10. 2002)

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