Kommentar: Viele bunte Smarties

29. Oktober 2002, 20:18
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Josef Broukal war ein außerordentlich erfolgreicher, weil beliebter Fernsehmoderator. Und er dürfte ein Fachmann sein, was neue Technologien betrifft, jedenfalls kennt er sich mit dem und im Internet aus. Befähigt ihn das, ein Monsterressort wie das Infrastrukturministerium zu leiten? Nein.

Gertraud Knoll war evangelische Superintendentin im Burgenland und zeichnet sich durch soziales Engagement aus. Befähigt sie das, ein Staatssekretariat zu leiten? Nein.

Beiden ÜberraschungskandidatInnen, die mithelfen sollen, die SPÖ am ersten Platz zu etablieren, fehlt die Erfahrung einer Führungsposition in einem Amt oder einem Ressort. Der Beamtenapparat, den sie lenken sollen, ist ihnen gänzlich fremd. Auch Alfred Gusenbauer selbst, der das Amt des Bundeskanzlers anstrebt, hat keinerlei Regierungserfahrung. Wohlmeinend könnte man dem SPÖ-Chef immerhin zugute halten, dass er im Schoße der Partei groß geworden ist, deren Strukturen und die Politik an sich aufgesogen hat. Er ist ein Berufspolitiker, abwertend könnte man sagen: ein Apparatschik.

Wolfgang Petritsch ist derzeit der einzige Kandidat im "Kabinett des Lichts", der über eine fachspezifische Erfahrung verfügt und auf eine Kompetenz verweisen kann, die er sich auf einem Arbeitsfeld erworben hat, dem er künftig als Außenminister die Richtung vorgeben soll.

Knoll und Broukal sind als PromikandidatInnen Signale an die Wähler, als Stützen einer Regierung aber nicht geeignet. Dazu kommt, dass die SPÖ möglicherweise auch die Grünen, die bar jeglicher Regierungserfahrung sind, durch die Ämter tragen müsste. Dazu braucht man erfahrene Leute, die in der Politik ihr Handwerk beherrschen, nicht nur viele bunte Smarties. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe 30.10.2002)

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