Nachholbedarf in Österreich

29. Oktober 2002, 19:28
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OECD-Studie belegt geringe Zahl an heimischen Hochschulabsolventinnen

Ein eher tristes Zeugnis stellt die jüngste OECD-Bildungsstudie zur Situation der Frauen im Hochschulbereich in Österreich aus. In 21 von 27 Industrieländern übersteigen die Abschlussquoten von Frauen jene von Männern. Österreich gehört mit Korea, Deutschland, der Schweiz, Türkei und Japan zu jenen Ländern, in denen der Frauenanteil an den HochschulabsolventInnen niedriger liegt. In Österreich ist die Quote bei 48 Prozent, in Ungarn, Schweden, Neuseeland, Norwegen, Portugal und Island liegt der Frauenanteil dagegen zwischen 60 Prozent und 67 Prozent, das OECD-Mittel ist bei 54 Prozent.

Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften

Beträchtliche Unterschiede werden bei den Studienfächern offensichtlich. In den Bereichen Geisteswissenschaften, Kunst, Pädagogik, Gesundheit und Soziales sind im Durchschnitt zwei Drittel der AbsolventInnen in den Industriestaaten weiblich, wohingegen ihr Anteil in Mathematik und Informatik weniger als ein Drittel ausmacht und weniger als ein Fünftel in den Bereichen Ingenieurswesen, Fertigung und Bauwesen. In Österreich ist dieses Ungleichgewicht sogar noch ausgeprägter: Der Frauenanteil bei den AbsolventInnen in den Fachbereichen Mathematik und Informatik liegt bei 15 Prozent, bei Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen bei 18 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil bei 23 bzw. 20 Prozent. In Geisteswissenschaften (66 Prozent) und im Bereich Gesundheit und Soziales (59 Prozent) überwiegen die weiblichen AbsolventInnen klar.

Niedrige Frauenquote bei weiterführenden Studiengängen

Eine interessante Abweichung ist bei den weiterführenden Forschungsprogrammen, etwa Promotionsstudiengänge, zu beobachten: Italien ist das einzige Land, in dem die Frauenquote höher als fünfzig Prozent (53 Prozent) liegt. Auf den nächsten Plätzen folgen Island (50 Prozent) und Portugal (49 Prozent), die letzten Ränge belegen Korea (20 Prozent) und Japan (19 Prozent). Österreich liegt fast im OECD-Durchschnitt mit 34 Prozent, wobei die Frauenquote noch deutlich unter dem Ländermittel von 38 Prozent liegt. Immerhin konnte eine Steigerung um einen Prozentpunkt binnen eines Jahres festgestellt werden. Aber insgesamt hat Österreich noch beträchtlichen Nachholbedarf. (Alexandra Föderl-Schmid)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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