"Je grauslicher, desto eher wird's gekauft"

29. Oktober 2002, 19:00
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Handel steigt massiv ein, aber es ginge noch mehr

Zweimal pro Jahr fährt Monika Schubert nach Hongkong. Dort trifft die Leiterin des internationalen Einkaufs für Gartenprodukte bei der Handelskette Baumax seit drei Jahren unzählige Menschen, die ihr fratzenschneidende Monsterkürbisse aus Ton, schnell und billig bemalte Gevatter Tod und ähnlichen Tand verkaufen, alle geeignet für die Dekoration des Vorgartens. Baumax, Nummer eins der Baumärkte in Österreich, ist seit drei Jahren beim Geschäft mit Halloween-Artikeln massiv dabei. Umsatzvolumina werden nicht bekannt gegeben, aber jährlich hätten die Verkäufe um 20 Prozent zugelegt, so Schubert. "Je grauslicher, desto eher wird's gekauft."

Die Zeiten im Handel sind hart, deswegen ist eine neue "Zwischensaison" immer willkommen, ebenso wie seinerzeit der Valentinstag, der anfangs nur ein paar Zusatzschillinge für Blumenhandel und Grußkartenhersteller gebracht hatte, bis dann später auch die Süßwarenindustrie, der Textil- und Haushaltswarenhandel einstiegen.

Bei den Süßwaren ist Halloween natürlich ebenfalls sehr willkommen. In der Zeit rund um das Totenfest könne man heuer mit plus neun Prozent über das gesamte Sortiment der kleinweise verpackten Ware rechnen, schätzt etwa Benedikt Zacherl von Kraft Foods Austria ("Milka"). Bei den Marktbeobachtern von ACNielsen hatte man im Vorjahr berechnet, dass sich der Umsatz mit Halloween-spezifischen Artikeln - mit Zuckerln gefüllte Plastikkürbisse, Monster-Gummibonbons und Derartiges - verdoppelt hatte, heuer dürfte sich das wiederholen. Erstmals kamen auch noch Getränke wie Fruchtwein-Cocktails dazu. Potenzial sieht die Industrie auch in Europa noch genug. Man hofft auf die weiter anhaltende Vorbildwirkung der US-Kids, die laut Studien zu 90 Prozent bei "Trick or treat!" mitmachen. (Leo Szemeliker/DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2002)

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