Weiter Verwirrung bei den Freiheitlichen

29. Oktober 2002, 18:46
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Jörg Haider als letzte Rettung?

Der erkrankte FP-Spitzenkandidat Mathias Reichhold stürzt seine Partei in neuerliche Turbulenzen. Niemand weiß, wann und ob Reichhold zurückkehrt. Inzwischen hoffen führende Funktionäre weiter auf die vermeintliche "letzte Rettung" Jörg Haider.

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Wien - Die Stimme des FPÖ-Klubchefs Karl Schweitzer im Radio-Interview klang düster depressiv: "Es ist nicht besonders lustig, unter diesen Voraussetzungen einen Wahlkampf zu bestreiten, wenn der Spitzenkandidat ernsthaft erkrankt". Auch Sozialminister Herbert Haupt sieht Parteiobmann Mathias Reichhold "durch die Herzrhythmusstörungen schwer gehandicapt". Bis Reichhold wieder auf den Beinen ist, werde "alles das, was geplant war, auf die Stellvertreter aufgeteilt". Zumindest "langfristig" rechnet Vize-Parteichef Haupt, werde der erkrankte FPÖ-Frontmann im Wahlkampf wieder zur Verfügung stehen. Niemand aber wisse, wann dies sein wird.

Parteiintern wird dem Sozialminister nachgesagt, er sehe die Dinge eher gelassen und sich selbst durchaus in der Lage öffentlich kräftiger aufzutreten, als es Reichhold in den vergangenen Wochen vermocht hatte. Haupt wird Reichhold jedenfalls in der TV-Konfrontation gegen SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer am Donnerstag vertreten.

Noch im Gange ist in der FPÖ die zentrale Frage, ob der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als vermeintliche "letzte Rettung" doch noch in die Bundespolitik zurückkehrt. Haider wird seit Tagen von führenden Funktionären seiner Partei massive dazu bedrängt. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Der Kärntner Landeshauptmann meldete sich unterdessen in der Illustrierten News nach längerer Absenz mit harten Attacken auf Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zu Wort. Haider warnte seine Partei, Schüssel erneut zum Kanzler zu machen.

VP-Parteichef Schüssel, der "über Leichen" gehe, habe "die Koalition mutwillig gebrochen" und "wollte der FPÖ einen Todesstoß versetzen", interpretierte Haider die Zerwürfnisse der letzten Wochen. Die ÖVP könne "sich gleich nach einem neuen Partner umschauen". (mue/DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2002)

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